Methode Eichhörnchen

Michael Passon

Moers. Der Druck auf Hans-Gerd Rötters und Norbert Ballhaus wegen deren Krisenmanagement in Sachen Sportzentrum nimmt zu. Zu Recht. Der Bürger fürchtet, dass die wahren Umstände der Schließung vielleicht nie richtig aufgeklärt werden.

Immerhin stellt die CDU jetzt die richtigen Fragen, aber was soll in den Akten anderes zu finden sein als chronologische Abläufe? Und mit FBG-Chef Küster hat schon mal jemand fast ein Jahr lang auf Antworten gewartet.

Genau deshalb ist es aber wichtig, diese quälende Geschichte weiterzuerzählen, auch wenn nicht jede neue Info den Durchbruch bringt. Wir haben es getan und tun es weiter: Höschen-Beichte, irritierte Politik, Höschen-Brief, Verwaltungsattacken via Homepage, öffentliche Proteste, Misstrauen der Ampelpartner, Akteneinsicht. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Den Schaden hat die Verwaltungsspitze längst: Das Geringste, was sie sich aufschreiben muss, ist unkoordiniertes Rumgeeiere in einer Gefahrensituation. Schließlich hat es von der Neueinschätzung eines unveränderten technischen Zustands in Rheinkamp und der letztendlichen Über-Nacht-Schließung 14 Tage gedauert. Schlimm wäre die Verschwendung von Steuergeldern aus politischen Erwägungen, so wie viele es vermuten. Aber das wird, wenn es so war, am Ende wohl kaum zu beweisen sein. Irgendwo dazwischen steht der beträchtliche Image-Schaden für Moers. Darüber kann es keine zwei Meinungen geben.

Das Bild ist jämmerlich: Rechtfertigungsversuche via städtischer Homepage, Diskreditieren der Ex- und Bald-Ex-Mitarbeiter Wusthoff und Höschen sowie der kritischen Presse, ein blasser und fahriger Auftritt im WDR. Auf Außenstehende wirkt das ganze chaotisch. Die Ampel-Partner FDP und Grüne bekunden offen ihr Misstrauen, die eigene Fraktion lässt Ballhaus und Rötters über eine Woche im Regen stehen und meldet sich dann pflichtschuldig zu Wort. Von verärgerten und irritierten Genossen an der Basis, und auch im Rat, mal ganz zu schweigen.

Sprachlos macht auch Kamp-Lintfort. Opfer sind zuallererst die armen Kinder, die von einem nicht viel älteren Kind am Pappelsee missbraucht wurden. Das macht wütend, schockiert und unser Mitgefühl gilt den beiden Jungen und ihren Familien. Aber wir fragen uns auch, ob ein 12-Jähriger in die Pädophilen-Ecke gehört oder ob seine Tat nicht eher Produkt einer Welt ist, in der Kinder zu früh und zu brutal mit dem Thema Sex in Berührung kommen. Pornos per Handy oder Internet, das gibt’s heute so selbstverständlich wie Vanilleeis. Wir Eltern müssen wachsamer sein den je.