Mal zwei Wochen Lehrer sein

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Betriebspraktikum mal anders: Gymnasium Adolfinum als Ausbildungsbetrieb

Moers..  Lehrer für die naturwissenschaftlichen Fächer werden händeringend gesucht. Doch wie begeistert man junge Menschen für diesen Beruf? Am Gymnasium Adolfinum geht man seinen ganz eigenen Weg. Den Schülern der Jahrgangsstufe 10 wird – gewissermaßen im eigenen Haus – ein Betriebspraktikum angeboten. Wie ist es, Lehrer zu sein? Paulina Pikolinski hat zwar am Adolfinum nicht ihren Traumberuf, dafür aber eine neue Art von Respekt gefunden: „Man muss den Mumm haben, vor einer Klasse zu stehen.“

Diesen Mumm haben am Adolfinum seit fünf Jahren auch Schüler. Gestern waren die 3a und 3b der benachbarten Gebrüder-Grimm-Grundschule zu Gast, wurden von Adolfinern in Physik und Biologie unterrichtet. Hannes Blank (15) erklärte konzentriert den Versuchsaufbau, die Kleinen hingen an seinen Lippen. Am Tisch nebenan fliegen die Stifte hoch, alle Drittklässler melden sich, pieksen ihrer „Lehrerin“ die Stifte vor lauter Begeisterung fast in die Nase. Im Biologieraum stehen die Kleinen derweil fasziniert vor dem Modell eines menschlichen Torso und erfahren, wo die Luft bleibt, wenn man sie eingeatmet hat. Lebendiger kann Unterricht eigentlich kaum sein.

Lieber Professor als Lehrer

Kurze Zeit später sitzen die Lehrer auf Zeit zusammen, berichten über ihre Erfahrungen, ihre Motivation, ihre Pläne. Marvin Schiffmann (20) ist einer derjenigen, die das Unterrichtsmaterial für diesen Projektkurs zusammengestellt haben. Lehren will er nach Abschluss seines Physikstudiums, aber auf keinen Fall an einer Grundschule, „lieber als Professor an der Uni“.

„Für mich ist der Beruf eher nichts“, das hat Julia Quedenbaum (16) nach ihrem Betriebspraktikum an der eigenen Schule herausgefunden. Aber es habe, so erklärt Alex Bader (16), die Sichtweise verändert: Den Scheiß versteh’ ich sowieso nicht, da muss ich nicht aufpassen – diese Einstellung ist der Erkenntnis gewichen, dass da vorne an der Tafel einer steht, der sein Bestes leistet, um es einem zu erklären. Sein Fazit: „Der Lehrerjob ist anstrengend.“ Was Hannes Blank indes nicht davon abhält, in seiner Freizeit genau diesen Job zu machen.

Im Rahmen einer Ogata-AG unterrichtet der 15-Jährige Grundschüler: „Dieses Jahr waren es 50, die kommen wollten.“ Marco Großmann (17) hat seine Lehrer am Adolfinum genauer im Blick, seit er selbst vor einer Klasse mit Grundschülern stand: „Wie komme ich bei den Kindern an? Wie möchte ich ankommen? Seitdem achte ich bei meinen Lehrern drauf.“

Was für die Oberstufenschüler des Gymnasiums ein Betriebspraktikum ist, ist für die Drittklässler nicht nur eine Abwechslung, sondern spannender Unterricht mit Versuchsaufbauten und Material, über das die Grundschulen ja nicht verfügen. Für Stephanie Liedtke, am Adolfinum Lehrerin für Mathematik und Physik, hat es in der letzten Woche ein Drittklässler auf den Punkt gebracht: „Boh, Chemie und Physik ist voll geil.“ Und dieser Erkenntnis ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

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