Leidenschaft fürs Lesen

Karen Kliem
Die Leiterin der Stadtbücherei Kamp-Lintfort, Katharina Gebauer, und Elisabeth Obrecht in den sogenannten Glow-Sesseln. Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool
Die Leiterin der Stadtbücherei Kamp-Lintfort, Katharina Gebauer, und Elisabeth Obrecht in den sogenannten Glow-Sesseln. Foto: Volker Herold / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Kamp-Lintfort. Ist das Kunst? Kann das weg? Nee, kann nicht weg. Das, was da so schön bunt glüht und blinkt in der Bücherei Kamp-Lintfort, sind die Lesesessel der Marke „Q-thek“, geplant von einem Düsseldorfer Architektenteam.

Wobei das „Q“ für „Qualität“ stehen kann oder auch für „Question“. Kamp-Lintfort macht mit beim landesweiten Projekt „Lernort Bibliothek“ und die Sitzmöbel aus Kunststoff sind der Anfang weiterer Neu-Anschaffungen. Dazu wird ein u.a. Touch-Screen-Modul gehören, das Wegweiserfunktionen übernehmen wird und Infos zu Büchern präsentieren. Ebenso wird es ruhige, abgetrennte Arbeitsbereiche geben.

Schäfchen
im Stall

Die „Glow“, wie die in rot, gelb, grün und blau leuchtenden Sessel heißen, werden bald um einen leuchtenden Trichter gruppiert sein. Büchereileiterin Katharina Gebauer schmunzelt: „Wir nennen ihn jetzt schon den Nürnberger Trichter.“ Wie überhaupt sie und ihre Kollegin Elisabeth Obrecht all dem, was ab Montag die Leser erwartet, etwas Heiteres abgewinnen können: „Abends führen wir dann unsere Schäfchen in den Stall“, lachen sie. Heißt: Die Sessel müssen abends an den Strom angeschlossen werden, damit sie am nächsten Tag wieder glühende Leidenschaft fürs Lesen wecken können.

Eine Aufgabe, für die die Bibliothekarinnen und ihre Kolleginnen bald auch mehr Zeit haben werden, wenn sie die Leser an das neue, elektronische Verfahren gewöhnt haben. Wie schon in Moers erledigen jetzt Automaten die Verbuchung von Ausleihe und Rückgabe. „Fast 200 000 Medien haben wird bisher im Jahr per Hand gescannt. Eine Arbeit, für die man nicht Bibliothekarin sein muss“, sagt Katharina Gebauer. Aber natürlich wird die Bücherei nicht zur Service-Wüste, versichert sie. Das Land NRW hat das neue, RFID (Radiofrequenztechnik) genannte Ausleihverfahren mit mehr als 30 000 Euro gefördert, was 70 Prozent der Kosten ausmacht. Beim „Lernort Bibliothek“ übernimmt es 90 Prozent der Kosten (35 000 Euro).

Jetzt gilt es nur noch zu klären, ob die Bücherei im nächsten Jahr einen neuen Standort braucht. Den aktuellen Mitvertrag hat die Stadt zum Ende des Jahres wegen ausstehender Reparaturen gekündigt. Der Vermieter ist nun am Zug.