Kinder entdecken ihre Heimat Kamp-Lintfort

Gabi Gies
Die brave Bulldogge Peter war der Star des Tages.
Die brave Bulldogge Peter war der Star des Tages.
Foto: Funke Foto Services
Drittklässler der Ernst-Reuter-Schule sind in der Stadt unterwegs, um einen Stadtführer von Kindern für Kinder zu schreiben. Eine Station war das Tierheim.

Kamp-Lintfort.  Bulldogge „Peter“ lässt sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Während Celina das 45-Kilo-Kraftpaket hinter den Ohren krault, streicheln Lara und Loredana vorsichtig über den weißen Fellrücken – ein Schmusekurs mit Anleitung: Eines haben die Drittklässler der Ernst-Reuter-Schule bei ihrem Besuch im Tierheim an diesem Morgen nämlich schon gelernt: „Angst ist für einen Tierpfleger nicht gut, aber gesunden Respekt sollte man immer haben“, sagt Tierheimmitarbeiter Bodo Bast. Seit Wochen sind die Mädchen und Jungen der Schule an der Sudermannstraße mit ihrer Lehrerin Susanne Hümbs in Kamp-Lintfort unterwegs, um ihre Heimatstadt genau unter die Lupe zu nehmen. Ihr Ziel: ein Stadtführer von Kindern für Kinder.

Wie viel kostet hier ein Hund, wo gehen die Tiere schlafen und wer führt sie eigentlich spazieren? Fragen, die Bodo Bast und seine Kollegin Nadine Förster von der Kamp-Lintforter Tierherberge mit viel Geduld beantworten. „Ich habe immer gedacht, ein Tierheim ist ein Haus mit vielen Käfigen nebeneinander“, sagt Celina. Weit gefehlt: „Bei uns haben die Hunde quasi Wohnzimmer ohne Möbel“, erklärt Nadine Förster. Während Susanne Hümbs für die gemeinsame Nachbereitung stichwortartig mitschreibt, gehen die Kinder mit ihren Handys auf Bildersafari. Lieblingsmotiv: natürlich „Peter“.

Später im Klassenzimmer wird der Besuch in Bild und Schrift dokumentiert. Für Susanne Hümbs ist das engagierte Sachkunde-Projekt auch praktische Heimatkunde. „Als ich neu in die Klasse kam, habe ich die Kinder gefragt, was sie von Kamp-Lintfort kennen. Bis auf einige Geschäfte, Zeche und Kloster kam da nicht viel.“ Mit den offiziellen Touristikbroschüren könnten die Schüler aber nicht viel anfangen. So entstand die Idee, einen eigenen Stadtführer zu entwickeln – mit 26 für Kinder interessanten Stationen von A bis Z.

Mittlerweile haben die Drittklässler ihre Stadt besser kennengelernt. Unter anderem den Park von Schloss Dieprahm erkundet, sich im Lehrstollen und im Haus des Bergmanns über die Kohlevergangenheit schlau gemacht, Polizeistation und Feuerwehrwache besichtigt und die Moschee der bosnischen Gemeinde und den Friedhof auf dem Dachsberg besucht. Für den Stadtführer stehen noch mehr Stationen an: „Ich möchte mit den Kindern noch auf den Segelflugplatz, auf den Golfplatz und auf den Eyller Berg“, nennt s weitere Wunschorte.

Übrigens: Gut möglich, dass im fertigen Buch ein Bild von „Peter“ zu finden sein wird. Bewohner der Tierherberge wird der Rüde dann nicht mehr sein – nach zwei Jahren konnte „Peter“ endlich vermittelt werden und zieht am Wochenende in ein neues Zuhause.