Keine Förderung: hohe Mehrkosten für Kliniken

Alltag in der Klinik. Manche Krankenhäuser haben keinen Gebrauch von den Fördermitteln des Bundes gemacht. Foto: Henryk Brock
Alltag in der Klinik. Manche Krankenhäuser haben keinen Gebrauch von den Fördermitteln des Bundes gemacht. Foto: Henryk Brock
Foto: Henryk Brock
Bisher 90 Prozent Kostenzuschuss für zusätzliches Pflegepersonal. Der Bund strich jetzt die Förderung. Aber: Keine Entlassungen.

Am Niederrhein.. Das neue Jahr beginnt für viele Kliniken in der Region mit einem Problem. Sie müssen erneut Kosten auffangen, teils in erheblichem Umfang. Grund: Der Bund hatte seit Sommer 2008 die Einstellung von zusätzlichem Pflegepersonal bezuschusst. Pro Stelle zahlte er 90 Prozent der Kosten. Seit 1. Januar ist das vorbei. „Einige Kliniken haben von dieser Förderung keinen Gebrauch gemacht. Andere sind erheblich betroffen“, schildert Harald Hüskes, Gewerkschaftssekretär bei Verdi in Duisburg.

Zu den Betroffenen zählt das Krankenhaus St. Bernhard in Kamp-Lintfort. „Wir haben 13,5 solcher Stellen geschaffen“, schildert der Kaufmännische Direktor, Josef Lübbers. „Aber entlassen wird niemand“, unterstreicht er.

Und immer den Blick auf die Kassen haben

600 000 Euro Mehrkosten entstehen dem Krankenhaus durch die Streichung der Fördermittel. „Das ist für ein Haus unserer Größe kein kleiner Betrag. Es wird wohl schwer, damit umzugehen. Wir müssen ja auch immer einen Blick auf die Kassen haben.“

Die zusätzlichen Stellen seien in Lintfort auch zum Teil durch mehr Leistungen entstanden. „Wir haben beispielsweise eine neue Überwachungsstation eingerichtet. Dort liegen Patienten, etwa nach einer OP, die nicht intensivmedizinisch betreut werden müssen, aber auch noch nicht auf ein normales Krankenzimmer gelegt werden können.“

Im Krankenhaus St. Josef in Moers müsse man sich keine Gedanken über gestrichene Fördermittel machen, wie Pressesprecherin Regina Ozwirk bekundet. „Wir hatten zum Stichtag Mitte 2008 einen extrem hohen Personalstand. Daher haben wir niemanden zusätzlich eingestellt.“

Die neue Strategie des Bundes: Alle Mittel sollen in einen anderen Fördertopf wandern. Dazu Josef Lübbers: „Aus dem Topf sollen vermutlich Mittel für Kliniken fließen, die Schwerstkranke betreuen. Das muss aber alles dokumentiert werden. Wahrscheinlich wird’s für uns eher ein Tropfen auf den heißen Stein werden.“

Dass Kliniken jetzt aus finanziellen Gründen Personal entlassen, verneint Gewerkschafter Harald Hüskes. „Allerdings muss man dabei wissen, dass in Kliniken normalerweise eine hohe Fluktuation beim Pflegepersonal herrscht. Da wird die eine oder andere Stelle bei Ausscheiden wohl einfach nicht mehr neu besetzt. Die Patienten am Bett werden das eher merken.“

Vom Krankenhaus Bethanien Moers gab es trotz mehrfacher Nachfrage bis gestern Abend keine Information.

 
 

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