Kandidaten auf Kuschelkurs

Noch vier Tage bis zum Wahlsonntag - statt immer nur auf dem Wahlplakat gab es die Kandidaten gestern live und in Farbe. Foto: Heiko Kempken
Noch vier Tage bis zum Wahlsonntag - statt immer nur auf dem Wahlplakat gab es die Kandidaten gestern live und in Farbe. Foto: Heiko Kempken
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
NRZ/WAZ und Berufskolleg Technik-Schüler nahmen in der Aula des BKT Politiker vor der Landtagswahl genau unter die Lupe.

Moers.. Sind die Piraten nur ein Protestphänomen und gerade deshalb für Jugendliche so interessant? Immerhin habe man mit exakt 60 926 Worten das umfangreichste Wahlprogramm aller Konkurrenten, parierte der Landtagskandidat der Piraten, Jochen Lobnig, die erste Attacke in der Aufwärmrunde der Podiumsdiskussion. Allein mit Statistik war bei den fast 300 potenziellen Erstwählern, die am Mittwoch in der Aula des Berufskollegs für Technik (BKT) vor der Landtagswahl ihre Kandidaten genauestens unter die Lupe nahmen, aber nicht zu punkten. Moderiert von Redaktionsleiter Michael Passon und Schulleiter Josef Nießen stellten sich Heinz-Gerd Hackstein (CDU), Beret Roots (FDP), Jochen Lobnig (Die Piraten), Ibrahim Yetim (SPD), Dieter Tersteegen (Bündnis 90/Die Grünen) und Gabriele Kaenders (Die Linken) den Fragen der Schüler.

Wie geht es weiter mit dem Schulsystem? Welche Linie wird in Sachen Drogenpolitik verfolgt und „was macht ihr Politiker, damit einfache Berufe wie die unseren nicht den Bach runtergehen?“ Klare Fragen, auf die die Kandidaten meistens ebenso klare, oft auch sehr persönliche Antworten hatten. Kaenders verriet, dass sie in der Drogenpolitik nicht die Linie ihrer Partei vertreten könne, Tersteegen outete sich als Raucher, der die kompromisslose Linie seiner Partei in Sachen Raucherschutz aber hunderprozentig unterstütze. Hackstein betonte, dass für ihn bei Politikern vor allem Authentizität wichtig sei und Ibrahim Yetim trumpfte in bester Piratenmanier mit der Facebook-Karte.

Auf die Frage, wer sich nach dem Wahlsonntag mit wem verbändeln könne, gab es kaum Überraschungen. Nicht mit den Linken, so Beret Roots, Lobnig gestand mögliche Schwierigkeiten mit der Fraktionsdisziplin ein. „Auch wenn ich Hacky und ich beste Freunde sind - im Landtag nicht mit der CDU“, verriet Kaenders kein Geheimnis. Allerdings sei sie Realistin: „Wir kämpfen erst einmal darum, wieder in den Landtag einzuziehen.“

Geht wählen - so der einhellige Aufruf der Kandidaten. Nimmt man das Interesse und die gute Beteiligung als Gradmesser, werden es am Sonntag nicht in erster Linie die jungen Wähler sein, die den Gang an die Urne verweigern.

Mehr Fotos unter www.derwesten.de/moers.

 
 

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