Kamp-Lintforterin betreut Eltern in der Schwangerschaft

Dr. Ursula Volz-Boers.
Dr. Ursula Volz-Boers.
Foto: Ulla Michels
  • Dr. Ursula Volz-Boers ist Psychotherapeutin aus Kamp-Lintfort
  • Sie sagt: „Kinder reagieren im Mutterleib auf die Außenwelt.“
  • Sie bietet den Eltern Bindungsanalysen während der Schwangerschaft an

Kamp-Lintfort..  Die Vermutung, dass Kinder schon im Mutterleib Eindrücke verarbeiten und auf die Außenwelt reagieren, hatten Fachleute schon lange. „Inzwischen sagen Untersuchungen, dass dies tatsächlich so ist“, schildert Ursula Volz-Boers. Die Psychotherapeutin und Dozentin am psychoanalytischen Institut Köln kommt aus Kamp-Lintfort und kann auf über 30 Jahre Berufspraxis zurückblicken. „Seit zehn Jahren beschäftige ich mich mit der Betreuung von Müttern, Vätern und Kindern in der Schwangerschaft.“

Dies nennt der Fachmann Bindungsanalyse. „Die Gebärmutter ist die größte Universität der Welt“, meint Ursula Volz-Boers. Nie wieder lerne der Mensch so viel dazu wie in diesen neun Monaten. Dazu gebe es heute zahlreiche Untersuchungen. „Kinder können schon früh hören und nehmen Geräusche wahr. Und sie entwickeln früh ein Bewusstsein für ihre Mutter und deren seelisches Befinden und auch andere vertraute Menschen.“

Genau hier setze die Bindungsanalyse an. Leider nähmen die Kinder auch sehr früh Stress und Sorgen der Mütter wahr. Schlimmstenfalls bekämen sie auch die Traumata der Mutter mit und trügen dieses Erbe ein Leben lang mit sich, ohne es zu wissen. „Das kann sich im späteren Sozialverhalten, bei der Bindungsfähigkeit und durch gravierende Verhaltensauffälligkeiten äußern.“ Dem arbeite die Bindungsanalyse entgegen.

Ein Dutzend Analysetermine

Zehn bis zwölf Mal kommen die Schwangeren zur Analyse zu der Psychotherapeutin. „Oft kommen auch die Väter mit, was besonders schön ist.“ In ruhiger Atmosphäre lernten die Mütter, in sich hinein zu hören und ihr Kind wahrzunehmen. „Das ist auch umgekehrt so. Die Kinder fühlen das und reagieren darauf.“ Genau dies fördere die frühe Bindung des Kindes an die Mutter. „Ähnliches gilt aber auch für die Väter. Ich rate ihnen beispielsweise, dem Baby öfters eine Geschichte vorzulesen, damit es auch diese Stimme verinnerlicht.“

Dass die Kontaktaufnahme der Mutter mit dem Baby im Mutterleib keineswegs Einbildung ist, weiß die Expertin aus der Arbeit mit den Schwangeren in ihrer Praxis. „Eine Mutter sagte mir beispielsweise, wenn sie hier herkomme, strampele das Kind schon freudig.“ Je harmonischer und früher die Bindung sei, um so stabiler entwickele sich das Kind später. „Beispielsweise sagt eine finnische Untersuchung, dass bei Frauen, die den Tod ihres Mannes in der Schwangerschaft erlitten und dadurch ein Trauma davontrügen, später die betroffenen Kinder eine schwierige Pubertät durchleben.“

Rund 120 Bindungsanalytiker gebe es in den deutschsprachigen Ländern und den USA. 6000 Kinder und Mütter seien bislang nach dieser Methode betreut worden. Die Frühgeburten bei ihnen lägen bei unter einem, die Kaiserschnitte bei unter zehn Prozent, und es gebe kaum Schwangerschaftsdepressionen oder Schreikinder. „Es geht hier einfach um bessere Startbedingungen für die Kinder. Und die sind mit der Bindungsanalyse nachgewiesen. So gesehen ist dies ein Beitrag zu einer etwas besseren Welt“, meint Ursula Volz-Boers.

 
 

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