Kamp-Lintfort: Mieter der Bunten Riesen kriegen Kündigung

Dezernent Christoph Müllmann leitete die Informationsveranstaltung für die Mieter und Anwohner
Dezernent Christoph Müllmann leitete die Informationsveranstaltung für die Mieter und Anwohner
Foto: Funke Foto Services
Stadt will beim Leerzug der Bunten Riesen flexibel bleiben. Ab Montag berät die Diakonie vor Ort und hilft bei Ämtergang und Umzug.

Kamp-Lintfort..  Vielleicht war das erneute öffentliche Versprechen genau die Beruhigung, die die etwa 140 noch in den Bunten Riesen wohnenden Mieter am Donnerstagabend so dringend brauchten: „Keiner von Ihnen wird auf die Straße gesetzt“, betonte Dezernent Christoph Müllmann auf der zweiten Versammlung für die betroffenen Mieter und Anwohner noch einmal das Anliegen der Stadt, beim anstehenden Leerzug der Riesen niemanden im Regen stehen zu lassen. Knapp hundert Menschen waren gekommen, um sich auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen – und Fragen los zu werden.

Im Laufe des kommenden Monats werden die Kündigungen an alle Mieter verschickt, der Abriss der Häuser ist für nächsten Sommer anvisiert. „Die Kündigungsfristen heißen aber nicht unbedingt, dass sie direkt ausziehen müssen“, erklärte Müllmann. „Bis Mitte nächsten Jahres sind wir flexibel.“ 15 Mietparteien seien bereits ausgezogen.

Derzeit 70 freie Wohnungen

Die zahlreichen vor dem Sitzungssaal geparkten Rollatoren gaben aber auch den direkten Hinweis darauf, was die Suche nach Ersatzwohnraum kompliziert macht: Viele der Mieter sind alt und allein, viele auf barrierefreie Wohnungen angewiesen. Erste Erfahrungen bei der Wohnungssuche hatten bei mehreren Betroffenen Skepsis geweckt: „Bezahlbare barrierefreie kleine Wohnungen oder solche mit Aufzug sind in Kamp-Lintfort einfach nicht zu finden“, so eine Mieterin, die sich in den letzten Monaten bereits auf eigene Faust umgeschaut hatte. „Zwei Wohnungen hätte ich haben können – die aber waren für jemanden mit Grundsicherung für mich zu teuer.“ Eine Erfahrung, die andere ähnlich gemacht hatten: „Meine Mutter wird 91 Jahre, ist stark gehbehindert – wo soll sie hin? Wir haben uns da schon die Hacken abgelaufen“, berichtete eine weitere Zuhörerin.

Derzeit gebe es in Kamp-Lintfort circa 70 freie Wohnungen im sozialen Wohnungsbau, so Sozialamtsleiter Franz-Josef Evers. Hoffnung machte Projektleiterin Elke Stüning von der Grafschafter Diakonie, die die Beratung der Mieter koordiniert und bereits den Leerzug der Weißen Riesen organisierte. Als dieses Projekt anstand, sei sie anfangs kritisch gewesen. Letztlich habe man aber alle Mieter in Kamp-Lintfort untergebracht. Ab Montag bietet die Diakonie direkt vor Ort in den Häusern offene Beratung an, darüber hinaus Hilfe bei Ämtergängen und beim Umzug.

Einer derjenigen, der 2010 aus den Weißen Riesen ausziehen musste, war der 58-jährige Rudolf Metzner. Für ihn steht bald wieder ein Umzug an. Er gehe heute trotzdem mit einem guten Gefühl nach Hause, so Metzner. Nur einen Wunsch hat der Tafelgänger – in Stadtmitte wohnen bleiben. Das aber konnte und wollte gestern keiner versprechen. Auch Ersatzwohnungen in den Nachbarstädten gelten als zumutbar.

 
 

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