Kämpfen gegen Kinderarmut

Talk zur Kinderarmut im Cari-Treff, hier mit Monika Ebling (rechts) und Moderatorin Gudrun Tersteegen(Mitte)
Talk zur Kinderarmut im Cari-Treff, hier mit Monika Ebling (rechts) und Moderatorin Gudrun Tersteegen(Mitte)
Foto: Christoph Karl Banski

Kamp-Lintfort..  Die Klassenfahrt ist zu teuer, mittags gibt es keine warme Mahlzeit und im Kleiderschrank liegt nur eine einzige Jeans. In Kamp-Lintfort lebt jedes siebte Kind unter 15 Jahren in einem Hartz-IV-Haushalt. Im Vergleich zum Rest des Kreises ist das eine relativ hohe Zahl. Den meisten Menschen ist mittlerweile bekannt, dass es auch im reichen Deutschland Kinderarmut gibt. Aber welche Möglichkeiten hat die Kommunalpolitik am Niederrhein, Kinderarmut konkret zu bekämpfen und was muss geändert werden? Vertreter aus der Kommunalpolitik und Fachleute aus der Sozialarbeit diskutierten beim Cari-Treff am Rathausplatz darüber.

Gudrun Tersteegen („Klartext für Kinder“) moderierte die lebhafte Diskussion. Nachhaltigkeit, also Unterstützung von der Geburt bis zur Ausbildung der Kinder, war für Insa Stürmer vom Referat Kinderarmut ein Schlüsselbegriff. „Es bringt nicht viel, die Kinder nur über einen kurzen Zeitraum zu begleiten“, so Stürmer, die derzeit das dreijährige Projekt Kindernest leitet. „Wichtig ist es, eine konstante Begleitung aufzubauen. Das geht von der Geburtsvorbereitung weiter in den Kindergarten und in die Schulen bis hin zur Suche einer Ausbildungsstelle.“

Landrat Ansgar Müller (SPD) forderte wesentlich mehr Geld vom Staat. „Das wird für die Bildung, speziell für die Ausbildung von Lehrern dringend benötigt.“ Hans-Peter Niedzwiecz, Vorsitzender des Caritas-Verbandes Moers/Xanten, kritisierte den Einsatz des vorhandenen Gelds. „Es wird falsch investiert.“

Christiane Seltmann von der CDU wollte das Ehrenamt noch stärker fördern, zum Beispiel mit Senioren, die sich um benachteiligte Kinder kümmern. Dafür erntete sie jedoch viel Kritik. „Ehrenamt ist unheimlich wichtig, aber strukturelle Veränderungen kann nur die Politik schaffen“, stellte Niedzwiedz klar. Und die sollten vor allem mit bildungspolitischen Maßnahmen hervorgerufen werden. „Sozialhelfer an den Schulen, eine verpflichtende Hausaufgabenbetreuung und eine einheitliche Schulkleidung“, forderte Edelgard Wirxel-Komor (FDP). „Was die Kindertafeln leisten, ist toll. Noch schöner wäre es aber, wenn wir sie gar nicht mehr bräuchten“, war die Meinung von Angelika Hülswitt, die in Kamp-Lintfort die Ebertschule leitet.

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