Jodtabletten: Moers verlässt sich auf den Kreis

Harry SDeelhoff
Jodtabletten
Jodtabletten
Foto: Ulla Michels

Am Niederrhein.  Das belgische Atomkraftwerk Tihange liegt etwa 150 Kilometer von Moers entfernt. Sollte es in der maroden Anlage zu einem atomaren Unfall kommen, wäre auch der linke Niederrhein durch radioaktiven Fallout hochgradig gefährdet. Die Einnahme von Jodtabletten führt dazu, dass die menschliche Schilddrüse kein radioaktives Jod speichert. Die Nachbarstadt Duisburg will beispielsweise präventiv Jodtabletten verteilen. Die Redaktion fragte bei der Stadt Moers und dem Kreis Wesel nach, ob und gegebenenfalls wie man für einen Atomunfall Vorsorge zu treffen gedenkt.

„Wir verlassen uns auf den Kreis Wesel, der ist für den Katastrophenschutz zuständig“, heißt es bei der Stadt Moers. Dort prüft man derzeit, ob Tabletten angeschafft werden sollen. Ebenfalls geklärt werden müssen die Frage, wer die Tabletten bezahlt und wo sie eingelagert werden könnten. Die Redaktion sprach mit Dr. Martin Binder, Leiter des Fachdienstes Gesundheit des Kreises, darüber, wann und wie die Tabletten im Ernstfall eingenommen werden sollten.

Ideal sei eine Einnahme innerhalb von drei bis vier Stunden nach einem atomaren Unfall in Tihange, erklärt Binder, von Hause aus Internist, Kardiologe und Arzt für öffentliches Gesundheitswesen. Er macht eine Rechnung auf.

Nur ein enges Zeitfenster

Bei einer Windgeschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde, was einer Geschwindigkeit von 36 km/h entspricht, brauche die radioaktive Wolke etwa vier Stunden bis an den Niederrhein. Somit bleibe nur ein enges Zeitfenster für die Einnahme der Medikamente, denn wenn sie drei oder vier Stunden zu spät genommen werden, sinke die Wirksamkeit auf etwa 20 Prozent, so Martin Binder.

Sollten nun – gleichgültig ob vom Land oder vom Kreis Wesel selbst – Kaliumjodtabletten angeschafft werden, so stünde der Kreis vor einer logistischen Herausforderung. Denn entweder müsste sichergestellt werden, dass die Tabletten unmittelbar nach einem atomaren Unfall an die Bevölkerung verteilt werden (was bei einem so engen Zeitfenster kaum möglich sein dürfte), oder die Medikamente müssten präventiv abgegeben werden.