Jesus in Ketchup - Kruzifixe im Gewölbekeller Kloster Kamp

Alfred Grimm im Gewölbekeller Kloster Kamp mit einem seiner „Kreuzgenossen“.
Alfred Grimm im Gewölbekeller Kloster Kamp mit einem seiner „Kreuzgenossen“.
Foto: Funke Foto Services
Der Dinslakener Künstler und Beuys-Schüler Alfred Grimm zeigt im Gewölbekeller Kloster Kamp Kruzifixobjekte aus vier Jahrzehnten.

Kamp-Lintfort..  Leere Flaschen und schmutzige Teller stehen auf dem an der Wand montierten Regalbrett, daneben ein überquellender Aschenbecher. An der Wand hängen zwei Fotos von barbusigen Pin-Up-Girls, darüber ein Hirschgeweih mitsamt Spiegel. Den Grimm’schen „Säuferchristus“ muss man in dem Ensemble nicht lange suchen – statt am Holzkreuz hängt die Jesusfigur im Geweih: „Kreuzgenossen“ heißt die spannende Ausstellung mit Kruzifix-Objekten des Dinslakener Künstlers Alfred Grimm, die am Samstag im Gewölbekeller Kloster Kamp eröffnet wird.

Schon seit Ende der 1960er Jahren kreuzigt der ehemalige Kunstlehrer und Beuys-Schüler immer wieder im Namen der Kunst. Tunkt ausrangierte Jesus-Figuren in Ketchup, legt sie als „Persönliches Abendmahl“ zwischen zwei Brötchenhälften, drapiert sie in einem Haufen Schmutz, der gerade zusammengekehrt wird, oder neben einem Häufchen Hundekot in der Bürgersteigrinne. Grimm hat sich noch nie gescheut, mit seiner Kunst anzuecken – immer um der Sache willen. Denn provozieren wolle er mit seiner Kunst gar nicht, hat der 71-Jährige immer wieder betont: „Ich mache nur Dinge, von denen ich glaube, dass sie wichtig und richtig sind.“

Wichtig und richtig – das bedeutet für Grimm auch, den Finger in die Wunde zu legen, wenn er es für nötig hält. Sich gesellschaftskritisch zu Wort zu melden und Stellung zu beziehen. So hat Grimm für die aktuelle Ausstellung auch ein älteres Objekt wie das „Asylantenkreuz – Hünxer Mahnmal“ ausgewählt. Das zeigt eine verkohlte Backsteinmauerfassade mit zerborstenem Fenster, Reste einer Flasche und im Straßenstaub eine halbierte Jesusfigur. Wer vorübergeht, hört aus dem Haus ein leises Wimmern... Mit dieser Installation reagierte Grimm 1992 auf einen der ersten Anschläge auf ein Asylantenheim in Deutschland – die Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1991, in der drei Jugendliche in Hünxe Brandsätze in die Wohnung einer libanesischen Familie warfen und dabei ein achtjähriges Mädchen schwer verletzten. Dazu passt sein „Schmierchristus“, der neben einer Hakenkreuzschmiererei einen eingerahmten Zeitungsartikel mit der Schlagzeile: „Juden fragen, müssen wir wieder Angst haben?“ zeigt. Übrigens keine der aktuelleren Arbeiten – der „Schmierjesus“stammt von 1998.

Ob sich Alfred Grimm angesichts der jüngsten Ereignisse im künstlerischen Umgang mit Symbolen Grenzen setzt, um religiöse Gefühle nicht zu verletzen? Der 71-Jährige überlegt lange. „Wenn ich etwas Bestimmtes für notwendig hielte, würde ich die Verantwortung übernehmen.“

 
 

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