Insel-Kunst treibt seltsame Blüten

Gabi Gies
Auch die Düsseldorfer Lena Kuntze bereitet derzeit im Seewerk ihren Beitrag für die Ausstellung vor.              Foto: Gisela Weißkopf / WAZ FotoPool
Auch die Düsseldorfer Lena Kuntze bereitet derzeit im Seewerk ihren Beitrag für die Ausstellung vor. Foto: Gisela Weißkopf / WAZ FotoPool
Foto: GIsela Weißkopf /WAZFotoPool

Moers. Die Vorarbeiten zur sechsten Seewerk-Ausstellung zeitgenössischer Kunst laufen auf vollen Touren. Auftakt auf Nepix Kull. Eröffnung ist am 10. September, 15 Uhr auf Nepix Kull, ab 16 Uhr im Seewerk.

Palme oder Drache? Die Düsseldorfer Künstlerin Lena Kuntze nennt das Teilobjekt ihrer Installation „Wildernde Matrix“ der Einfachheit halber Palmendrache. „Es ist schon erstaunlich. Egal wie abstrakt Dinge sind, die Menschen versuchen es immer wieder auf Altbekanntes zurückzuführen.“ Seit Tagen arbeitet sie im Seewerk in Moers-Kapellen an ihrem Riesen-Objekt, das ab dem 10. September in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Moers auf der Kulturinsel Nepix Kull zu sehen sein wird und Leuchtmarke für die nunmehr sechste große Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Seewerk am Silbersee in Kapellen ist.

Während Lena Kuntze mit einem Skalpell vorsichtig die überstehende Folie von dem Holzrahmen trennt, arbeitet Frank Merks an der Unterkonstruktion. Phantasietier oder skurrile Pflanze - das ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen und damit im Sinne der Künstlerin. „Vielleicht ist es ja eine ganz neue Gattung ...“, so Lena Kuntze. Im Frühjahr war sie erstmals auf Nepix Kull und beschloss nach ihren Rundgängen im Park, ihre Installation als „Entwurf in eine mögliche Zukunft“ der Insel anzugehen. Einer Insel, auf der, so Kuntze, „die Natur seltsame Blüten treibt“, deren vordergründige Unantastbarkeit sie fasziniert und mit der sie künstlerisch spielt.

Ein Eingriff in die Natur

Wurzelstücke, Rinde - Fundstücke von der Insel nahm sie mit, legte sie zu Hause auf den Scanner und verfremdete das Material mit dem Computer. Von der gesammelten Natur bleibt auf der gedruckten Folie keine wirklich sichtbare Spur - auch das beabsichtigt. „Das Objekt soll seine Künstlichkeit behalten. Es ist ein Eingriff in die Natur - und soll auch einer sein. Was dann passiert, lässt sich nicht mehr steuern.“

Moni Müller hat schon mal einen Probe-Sandhaufen aufgeschüttet. Hier wird am 10. September ein „Erd-Tattoo“ entstehen. 36 keramische Figuren, gelegt in einer bestimmten Formation sollen Natur und Kultur verbinden. Grundmotiv sind die kleinen Flecken der Fingerhutblüten - 1000fach vergrößert.

Der Maler, Performer und Bildhauer Abdelhadi El Aidi legt Hand an zwei riesige Baumstämme. Da, wo im zweiten Weltkrieg einst eine Horchstation am Silbersee war, plant er zur Ausstellung - übrigens ohne Wissen über die Historie des Ortes - einen künstlerischen Lauschangriff.

Für Angelika Petri und Frank Merks beginnt in diesen Tagen die heiße Phase des längst über niederrheinische Grenzen hinaus bekannten jährlichen Ausstellungsspektakels am Silbersee. So wird heute der Kasseler Günter Stangelmeyer seine riesige Stahlskulptur anliefern, der Schmetterlingsmann von Anatol Herzfeld ist bereits an Ort und Stelle.

Es ist Programm, dass das Seewerk sich als Ort versteht, der Künstlern die Möglichkeit bietet, neue Wege zu gehen. Know how und Material werden zur Verfügung gestellt, auch, um oft lange schlummernde Ideen Gestalt zu verleihen - wie bei Lena Kuntzes Cut-Out-Objekten, die sie hier in einem vielfach größeren Maßstab als bisher fertigen und ausstellen kann.

Arbeiten und Performances von 18 deutschen Künstlern werden ab 10. September auf dem Gelände der ehemaligen Schnapsbrennerei zu sehen sein. Wie auch in den vergangenen Jahren bildet den Kern der Schau das Werk eines Akademieprofessors. In diesem Jahr ist dies Norbert Tadeusz. Trotz seines Todes im Juli konnte die schon lange geplante Ausstellung realisiert werden. Norbert Tadeusz wurde vor allem bekannt mit seiner oft großformatigen Malerei eigenwillig, surrealer Bildwelten.

Außerdem zu sehen sein werden Arbeiten von Johannes Schepp, Dragan Lovrinovic, Sukyun Yang & Insook Ju, Petra Lennartz, Klaus Richter, Elisabeth Luchesi, der Gruppe Hora de Samba sowie Ingeborg Broska und Anne Blass zu sehen sein.

Weitere Infos unter www.das-seewerk.de.