HIV-positiv - Kind aus Moers aus der Freizeit heimgeschickt

Dietmar Heyde von der  Aids-Hilfe Duisburg sagt: „Mit HIV kann man leben, mit Diskriminierung nicht.
Dietmar Heyde von der Aids-Hilfe Duisburg sagt: „Mit HIV kann man leben, mit Diskriminierung nicht.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
Offenbar wegen seiner Immunschwäche wurde ein Junge aus Moers von einer Ferienfreizeit nach Hause geschickt. Die Aidshilfe machte den Fall publik.

Moers. Für Dietmar Heyde, Geschäftsführer der Aidshilfe Duisburg, ist der Vorgang ungeheuerlich: „Mit HIV kann man leben, mit Diskriminierung nicht,“ sagt Heyde. Offenbar wegen seiner Immunschwächeerkrankung wurde ein 10-jähriger Junge aus Moers im letzten Jahr aus einer Ferienfreizeit auf der Nordseeinsel Ameland schon am zweiten Tag wieder nach Hause geschickt. „Bis heute warte ich vergeblich auf ein Gespräch mit den Verantwortlichen über das, was falsch gelaufen ist“, sagte die Adoptivmutter am Mittwoch bei einem Pressegespräch der Aidshilfe Duisburg in Moers.

Von Anfang an: Ab dem 28. Juni 2015 sollten die Söhne der Familie an der Ameland-Freizeit der katholischen Kirchengemeinde Sankt Ida teilnehmen. Die Mutter meldete die beiden Jungen an und erwähnte dabei auch, dass ein Sohn an einer Immunschwäche leide und täglich Medikamente einnehmen müsse. Ihr sei signalisiert worden, so die Mutter, dass „alles kein Problem wäre“. Doch es kam anders: Der Urlaub endete für die Jungen bereits einen Tag später in den Abendstunden. Laut Heyde wohl deshalb, weil die Verantwortlichen Bedenken wegen der HIV-Diagnose des Zehnjährigen hatten. Warum der Sohn und auch sein Halbbruder nach Hause geschickt wurden, sei ihr bis heute nicht beantwortet worden, so die Mutter. Dabei hatte sie die Unbedenklichkeitsbescheinigung des behandelnden Kinderarztes mitgegeben.

Familie Vergleich über 1200 Euro angeboten

Schon die Abreise sei schlimm für die Jungen gewesen, sagt die Mutter. Doch die Aufregung war damit noch nicht vorüber: Ihre Eltern waren in der Türkei in Urlaub, die Schwiegereltern auf dem Weg nach Italien. Um die Jungen in Empfang zu nehmen, mussten sie spontan zurückfahren. Die Mutter buchte für ihre Söhne kurzerhand zwei Charterflüge in die Türkei, wo sie selbst mit dem Rest der Familie Urlaub machte.

In der Zeit danach suchte die Mutter mehrmals das Gespräch mit den Verantwortlichen. Zuerst sei Gesprächsbereitschaft signalisiert worden, doch dabei sei es geblieben, sagt Heyde und verweist auf E-Mail-Verkehr, den er für die Familie mit den Verantwortlichen führte. Als die Frage der Kostenerstattung von 3000 Euro aufkam, bot man der Familie einen Vergleich über 1200 Euro an. Als keine Einigung erzielt werden konnte, kam der Fall vor Gericht. Der Schaden wurde anerkannt. Im nächsten Prozess wird es um eine Schmerzensgeldzahlung gehen.

Der für die Gemeinde verantwortliche Pfarrer weilt derzeit bis Sonntag in Rom und konnte gestern für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

 
 

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