Herkules Lenßen

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Neukirchen-Vluyn.  Lehrer haben so ihre Tricks. Und wenn sie auch bei einem wesentlich reiferen Auditorium so gut funktionieren, muss ein Schmunzeln erlaubt sein. Klaus Plonka gönnte sich eins, nachdem er seicht ins Mikrofon gepustet und die Aufmerksamkeit von 250 Gästen in der Kulturhalle auf sich gelenkt hatte. Ein charmanter Auftakt einer – wieder mal – gelungenen Veranstaltung, die in Neukirchen-Vluyn zu einer schönen Tradition geworden ist: der CDU-Neujahrsempfang.

Natürlich waren sie alle gekommen. Die lokalen Witschaftsbosse und Bankvorstände, ganz viel CDU-Basis und natürlich auch die Hoffnungsträger der Christdemokraten. Karl-Heinz Florenz, der kernige Landwirte, der im nächsten Jahr wieder für die Europawahl kandidieren wird. Oder Kerstin Radomski, die schon im September dran ist und SPD-Platzschirsch Siegmund Ehrmann das Direktmandat im Bundestag streitig machen soll. Ob sie dabei auf einen Wahlkampfhelfer Steinbrück hoffen darf? „Wenn er so weiter macht...“, lächelte die 38-Jährige, die den Abstand zu Ehrmann schon 2009 auf 5700 Stimmen hatte schmelzen lassen.

Die CDU in Neukirchen-Vluyn demonstrierte gestern Selbstbewusstsein. Und das Bewusstsein für Aufgaben und Chancen im neuen Jahr. Zentrales Thema ist hier der gebeutelte Haushalt. Es gelte, so Parteichef Plonka und Bürgermeister Harald Lenßen unisono, das Heft des Handelns nicht aus der Hand zu geben. Schwer genug angesichts der Tatsache, dass die Bindestrich-Kommune 400 000 € mehr Kreisumlage zahlen soll und dafür weniger Schlüsselzuweisungen vom Land zu erwarten hat. Lenßen monierte die Verteilungsgerechtigkeit und nicht zuletzt mit Blick auf die Kosten für die U3-Betreuung die fehlende Konnexität: „Wenn jemand einen Auftrag erteilt, muss er auch bezahlen.“ Man stehe vor Herkules-Aufgaben, die nun zu meistern seien. „Dabei bin ich durchaus optimistisch“, sagte der Bürgermeister und führte als besondere Stärke Investitionen in die Stadtentwicklung an: den Kombi-Bau, die Stursberg-Sanierung, den neuen Stadtteil auf Niederberg. „Wir verbrennen kein Geld, wir schaffen Werte.“ Der Mann, dem also wider Willen die Rolle des Herkules zufällt, erreichte die Gäste. Wie übrigens auch Plonka und Landtagsabgeordnete Marie-Luise Fasse, die die enorme Kraft und Qualität des Ehrenamtes in der Stadt würdigten.

Ein wenig aus dem – zeitlichen – Rahmen fiel die Rede von Michael Breuer, Chef des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes. Sein engagiertes und durchaus interessantes Plädoyer für Europa geriet schlichtweg zu lang. Wie die Konzentration von Nicht-Experten über eine solche Strecke hochgehalten werden kann? Vielleicht kennt Lehrer Plonka hier auch einen Trick.

 
 

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