„Helden des Alltags“ für Kinder

Klaus-Dieter Wichert vom Vorstand des Vereins „Klartext für Kinder“
Klaus-Dieter Wichert vom Vorstand des Vereins „Klartext für Kinder“
Foto: Waz FotoPool

Moers..  Die Jahresbilanz des Vereins „Klartext für Kinder - Aktiv gegen Kinderarmut!“ von 2012 kann sich sehen lassen: 119 000 Euro Spenden gingen ein, mit 120 000 Euro wurden bedürftige Familien unterstützt. Auf der Jahreshauptversammlung im November wagte der Vorstand einen äußerst optimistischen Blick in die Zukunft. Seit mehreren Jahren ist Klaus-Dieter Wichert im Vereinsvorstand und fährt damit zweigleisig, denn zeitgleich hat er den Vorsitz des Fußball-Verbandes Niederrhein e.V. Kreis Sieben inne. Warum er es nicht lassen kann, täglich rund zwei Stunden seiner Zeit in die Klartext-Vereinsarbeit zu stecken, wie wichtig die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter sind und welche Ziele Klartext für Kinder 2014 hat, erklärt der 77-Jährige in einem Interview.

Herr Wichert, wie sieht die Vereinsbilanz aus und was hat der Verein in Zukunft vor?

Wie dringend die Arbeit unseres Vereins benötigt wird, zeigen die gut 600 Anträge, die 2012 bei uns eingegangen sind. Und in 2013 waren es nicht weniger. In den ersten beiden Wochen diesen Jahres kamen bereits 29 Anträge an.

In diesem Jahr wollen wir unsere Arbeit so fortführen, wie bisher. Neben unserer Einzelfallhilfe bieten wir ja auch Aktionen wie Ausflüge oder Fußball-Camps an, die wahnsinnig gut angenommen werden. Beim letzten Mal nahmen rund 30 Jungen und Mädchen daran teil. Der GSV Moers hat sofort ein paar davon in seine U12- und U13-Mannschaften eingeladen. Fehlt den Eltern das Geld für den Vereinsbeitrag, helfen wir auch dort aus. In diesem Jahr ist das Camp für die Oster-, Sommer- und Herbstferien geplant. Zusätzlich wollen wir ein Box-Camp anbieten.

Wer hat die Unterstützung des Vereins im letzten Jahr hauptsächlich in Anspruch genommen?

90 Prozent der Anträge kamen von alleinerziehenden Müttern. Die brauchten dann beispielsweise eine kleine Winterausstattung, oder Schuhe – die Kinder wachsen ja ratzfatz.

Manchmal wird ein Schreibtisch, Stuhl oder Bett beantragt. In einigen Fällen hat sogar die AWO geprüft, dass die Kinder nur auf einer Matratze schlafen. Wir sind hautnah und ganz kurzfristig: Ein Antrag ist bei uns in 14 Tagen durch und wird in der Regel auch bewilligt, wenn eine Bedürftigkeit vorliegt

Wie viele Mitglieder hat der Verein derzeit?

Wir zählen rund 220 Mitglieder. Der Zusammenhalt im Verein ist groß, das hat auch die gut besuchte letzte Jahreshauptversammlung wieder deutlich gezeigt. Die vielen Menschen die uns helfen sind die wahren „Helden des Alltags“. Dazu zählen beispielsweise ehrenamtliche Mitarbeiter, wie unsere Patenhelfer, die mit bedürftigen Familien einkaufen gehen oder unsere Damen im Tafelbus, die den Schülern an fünf Tagen warmes Mittagessen bringen und zu denen die Kinder ein riesiges Vertrauen aufgebaut haben.

Wie ist Ihre Prognose für 2014? Werden Sie wieder genug Spenden für Ihre Arbeit sammeln können?

Wir sind einfach präsent. Die Leute sollen und wollen wissen, was wir genau mit dem Geld machen und das tun wir. Ich denke, das ist auch einer der Gründe, warum erst vor kurzem ein Herr an uns heran getreten ist und berichtete, dass er die Geldpräsente zu seinem 70. Geburtstag in diesem Jahr an uns übergeben möchte. Er wird rund 110 Gäste einladen. Davon erhoffen wir uns eine große Spende. Spontan haben wir auch im Dezember bereits zum zweiten Mal einen großen Geldbetrag eines lokalen Unternehmens erhalten. Positiv ist aber auch, dass an unserem Wunschbaum im Dezember 1400 Geschenke zusammen kamen. Wir freuen uns über jeden kleinen Geldbetrag. Jeden Cent der Hilfe gaben wir an die Kinder weiter. Durch die vielen Ehrenamtler haben wir kaum Verwaltungskosten.

Was kann jemand tun, um den Verein zu unterstützen?

Wir freuen uns über Sachspenden für Kinder zwischen null und 16 Jahren. Auch wer ein Fahrrad oder gut erhaltene Kleider übrig hat, kann sie bei „Stoffwechsel“ abgeben. Außerdem können wir Geldspenden immer gut gebrauchen.

Was treibt Sie persönlich zu einem so großen Engagement im Verein an?

Ich weiß, dass wir ein lokales Bündnis sind, das die Lücke der Wohlfahrtsverbände schließt. Wenn ich mit 60 Kindern einen Ausflug in den Gelsenkirchener Zoo mache und sie den ganzen Tag so beobachte ist das toll. Fast so, als wären es meine eigenen Enkel.

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