Grüne Damen mischen sich ein

Sie wollen am Ball bleiben.
Sie wollen am Ball bleiben.
Foto: Waz FotoPool

Neukirchen-Vluyn..  Die Grünen Damen aus der Altenheimat in Neukirchen-Vluyn sind außer sich. Seit Herbst des vergangenen Jahres beschäftigen sich die engagierten Frauen mit einem gesellschaftspolitisch brisanten Thema: der Unterbringung von älteren Menschen in Altenheimen – außerhalb Deutschlands. Aufgeschreckt wurden sie damals von der entsprechenden Berichterstattung in den Medien. So war es unter anderem der Artikel „Oma Export“ aus der Süddeutschen Zeitung, der zunächst zu heftigen Diskussionen in der Gruppe führte und dann eine Delegation der Damen in das Büro von Bürgermeister Harald Lenßen.

„Der hat uns empfohlen, die Wellen weiter schlagen zu lassen“, erklärt Margit Schofenberg. Und genau das haben die Grünen Damen auch gemacht, im März dieses Jahres haben sie ein Schreiben aufgesetzt und an die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, an das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter sowie an die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Bündnis90/Grüne geschickt. Deren Antworten liegen jetzt vor.

Wirklich befriedigend scheinen sie nicht ausgefallen zu sein. Aber die Grünen Damen sind froh, dass sie überhaupt Antworten aus der Landeshauptstadt bekommen haben. Die Botschaft lautet im wesentlichen: Eine Abschiebung von älteren Menschen in günstigere Unterkünfte in Osteuropa wird abgelehnt, ist rechtlich ohnehin nicht unproblematisch, man könne keinen Trend dazu erkennen, und die Frauen aus Neukirchen-Vluyn sollen am Ball bleiben, um weiter für das Thema zu sensibilisieren.

Das wollen sie auch tun. Unabhängig von neueren Zeitungsberichten, die die These vom „Oma-Export“ unter Berufung auf die Zahlen der Pflegekassen nicht belegen wollen und noch einmal darauf hinweisen, dass die Kassen für Sachleistungen im Ausland nicht aufkämen. „Das ist ein Politikum, wenn Kommunen dazu übergehen“, kritisiert Monika Schmidt. „Das muss man sich mal vorstellen!“ Sie selbst wolle ja auch nicht in ein fremdes Land mit anderer Kultur und Sprache abgeschoben werden. Für Monika Schmidt wie für ihre Mitstreiterinnen ist völlig klar: Da darf man nicht wegschauen. Die Grünen Damen sehen die Gefahr, dass Angehörige von älteren pflegebedürftigen Menschen, die nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, trotz allem womöglich moralisch sanft unter Druck gesetzt werden könnten, um sich für die kostengünstigere Lösung zu entscheiden. Ein solcher Punkt fehle beispielsweise als Baustein in einer Betreuungsvollmacht. Klare Botschaft: Damit muss sich auch die Politik befassen.

 
 

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