„Glück auf“ – auch nach Bergwerk-West

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Kamp-Lintfort.  Das Ende des Bergwerk-West bedeutet in Kamp-Lintfort nicht das Ende der gewerkschaftspolitischen Mai-Feierlichkeiten. Nach der letzten vom Bergwerk veranstalteten Mai-Feier 2012, führte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Veranstaltung am Sonntag in der Stadthalle fort. Die neue Situation in Kamp-Lintfort – nach der langen Tradition des Bergwerks – erforderte aber ein neues Konzept der gewerkschaftspolitischen Arbeit und der Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit, erläuterte Michael Rittberger, Vorsitzender des DGB Kreisverbands Wesel: Der Strukturwandel in Kamp-Lintfort würde langsam deutlich, die Hochschule wachse, Kamp-Lintfort werde sich in Zukunft als Logistikstandort zeigen.

Unter den Rednern waren daher neben dem DGB NRW-Vorstandsmitglied, Michael Hermund, und dem Vorsitzenden des DGB im Kreis Wesel, Michael Rittberger, auch Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt sowie Frau Prof. Ingeborg Schramm-Wölk, Dekanin der Hochschule Rhein-Waal, und Tim Schmidt, Betriebsratsvorsitzender des seit sechs Wochen bestehenden Betriebsrats der Firma Amazon in Rheinberg.

Landscheidt betonte die Wichtigkeit, sich für die Interessen von Arbeitnehmern einzusetzen: „Noch nie waren so viele Menschen in Arbeit, und noch nie konnten so wenige von ihrer Arbeit leben“, gab er zu bedenken. Von den Problemen des Arbeitsmarktes könnte sich ein jeder in Kamp-Lintfort ein Bild machen. Altersarmut und Kinderarmut bewiesen, dass nicht von „Klagen auf hohem Niveau“ gesprochen werden könne. Gewerkschaftspolitische Fragen seien in Kamp-Lintfort keine industrie- oder bergbauspezifischen Fragen. Es seien Fragen, die jeden Arbeitnehmer beträfen. Michael Hermund mahnte in seiner Mairede mit Zahlen für den Kreis Wesel die prekären Arbeitsverhältnisse an, die einen Kampf um die Würde des Menschen am Arbeitsplatz erforderlich machten.

Rittberger erläuterte, dass die Gewerkschaften vor Ort in Zeiten des Strukturwandels vor ganz neuen Herausforderungen stünden: „Die Ansiedlung neuer Betriebe in Kamp-Lintfort bringt neue Bedingungen. Betriebsräte müssen erst gegründet werden, Arbeitnehmer müssen sich trauen, sich für ihre Rechte einzusetzen. Im Bergbau gehörte die gewerkschaftspolitische Arbeit zum Alltag. In neuen, kleineren Betrieben ist das nicht so.“

Die Veranstalter hätten sich zwar zwei- bis dreimal so viele Gäste gewünscht, betonten aber die Wichtigkeit der Veranstaltung für die Zukunft.

 
 

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