Geständnis bei der rumänischen Polizei

Dieter Kahlen
Dieter Kahlen
Foto: patricia murawski

Neukirchen-Vluyn/Moers.  Der Prozess um den Mord am Neukirchen-Vluyner Musiker Dieter Kahlen neigt sich dem Ende zu. Johannes Huismann, Vorsitzender Richter der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Kleve in Moers, kündigte am Ende der gestrigen Sitzung das Urteil für den nächsten Verhandlungstag, 8. August, an. Zuvor wurde mit einem rumänischen Polizisten ein letzter Zeuge vernommen, welcher einen der beiden rumänischen Angeklagten, Emeric K., mit seiner Aussage schwer belastete. Der zur Tatzeit 20-jährige Emeric K. soll gegenüber der rumänischen Polizei in Gegenwart eines Pflichtverteidigers ein Geständnis abgelegt haben. Psychiater Dr. Jack Kreutz sah zudem bei beiden Angeklagten keine Gründe, die zur Schuldminderung führen könnten.

Der 55-jährige Dieter Kahlen wurde in der Nacht zum 25. Oktober 2012 brutal in seinem Bett ermordet. Die beiden Angeklagten flüchteten mit seinem Auto, einem roten Mazda, nach Rumänien, wo einer von ihnen einen Unfall baute. Als sie es über einen Schrotthändler loswerden wollten, schlug die Stunde des Polizisten Remus Gardan. Er hatte den richtigen Riecher, vermutete Autodiebstahl, ermittelte – und fand sich plötzlich mitten in einem Mordfall wieder.

Am 27. Oktober, einem Samstag, hörte der Beamte von einem Mazda ohne Nummernschilder, der beim Schrotthändler für schlappe 200 Euro verkauft werden sollte. Ein fast neues Auto – Wert 30 000 Euro – für so einen Spottpreis? Remus Gardan sorgte dafür, dass potenzielle Käufer abgewimmelt wurden und legte sich auf die Lauer. Es gelang ihm, den Wagen mit Emeric K. am Steuer anzuhalten. Der erklärte, er habe von ei­nem Marokkaner einen Tipp erhalten und danach das Auto in Deutschland gestohlen.

Noch ein Mord in Italien?

Am Montag, 29. Oktober, saßen Emeric K. und der zweite Angeklagte Sebastian K. bei der Polizei; ihre Fingerabdrücke sollten genommen werden. Da ließ Sebastian K. die Bombe platzen: Emeric habe den Besitzer des Autos in Deutschland ermordet. Der Polizist konfrontierte Emeric damit, dass er Informationen aus Deutschland habe – und der gab schließlich zu, den Besitzer des Autos umgebracht zu haben.

Emeric K. habe die Tatwaffe beschrieben, so der Zeuge, der zu diesem Zeitpunkt die Details der Tat noch nicht kannte. Seiner Aussage zufolge ermittelte die Polizei nicht nur in dieser Sache gegen Emeric K.: Er soll angeblich in Italien einen weiteren Mord begangen haben. Beweise dafür fanden sich indes nicht.

Psychiater Dr. Jack Kreutz erstattete danach sein Gutachten über die Angeklagten. Fazit: Beide sind, sollten sie verurteilt werden, voll schuldfähig. Er wies zudem nach, dass die Angaben, die Emeric K. über seinen angeblichen Alkoholkonsum in der Tatnacht vor Gericht gemacht hatte, nicht der Wahrheit entsprechen können – sieben Promille seien jenseits von Gut und Böse.

Jugendstrafrecht oder nicht?

Zum Schluss empfahl der Vertreter der Jugendgerichtshilfe, man solle im Falle einer Verurteilung von Emeric K. wegen möglicher Reifeverzögerung Jugendstrafrecht anwenden – was beispielsweise lebenslängliche Freiheitsstrafen ausschließt. Dies brachte Staatsanwalt Jürgen Müller auf die Palme. Ungewohnt heftig fragte er: „Wie kommen Sie darauf? Wieso ist der Mann mit einem 17-Jährigen gleich zu stellen?“ Die Antwort stellte den Staatsanwalt erkennbar nicht zufrieden.

 
 

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