Gedenken in Kamp-Lintfort für die Toten auf dem Mittelmeer

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Der Verein „Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort“ rief zur Kundgebung auf. Er will nicht tatenlos zusehen, sondern Hilfe anbieten, wo es möglich ist.

Kamp-Lintfort.  Kerzen werden aufgestellt und ein Plakat mahnt: „Stoppt das Töten vor den Toren Europas!“ Aus aktuellem Anlass organisierte der Verein „Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort“ am Samstagabend eine Gedenkveranstaltung auf dem Kamp-Lintforter Rathausplatz. Zum wiederholten Male nach dem Unglück in Lampedusa, bei dem rund 370 Flüchtlinge gestorben sind, ereignete sich ein weiteres Flüchtlingsdrama im Mittelmeer in der vergangenen Woche, als wieder mehr als 500 Bootsflüchtlinge auf dem Weg von Libyen nach Italien bei einem Schiffsunglück ertrunken sind.

Nicht gleichgültig

„Das haben wir in den Nachrichten gesehen und waren schockiert“, sagt der Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, Rainer Klotz, im Rückblick. Ihm und seiner Frau, der Sozialpädagogin Jennifer Klotz, kam schnell die Idee einer Gedenkfeier für die Verstorbenen an den Außengrenzen Europas. „Damit wollen wir zeigen, dass unserer Stadt das Schicksal der Flüchtlinge und die vielen Toten nicht gleichgültig sind.“

In ihrer Rede erinnerten sie an den Verbesserungsbedarf in der Asyl- und Flüchtlingspolitik: Neben der Schaffung sicherer Flucht- und Transportmöglichkeiten müsse man in Seenot geratene Flüchtlinge schnelle Hilfe zukommen lassen.

Auch die proportional gleiche Verteilung auf die Bundesländer, wie im Königssteiner Schlüssel beschrieben, müsse organisiert sein. Politisch müsse man zukünftig schlichtend in den Kriegsländern eingreifen, und das Zerstören von Schlepper-Schiffen könne auf Dauer keine Lösung sein.

In einer Schweigeminute unter freiem Himmel und vor angezündeten Kerzen wurde nach der Rede den hunderten toten Bootsflüchtlingen gedacht. Ein Moment, der mahnend für die humanitäre notwendige Veränderung und für den Leitgedanken steht, der auf den Buttons des Vereins steht: „Refugees welcome!“

In Kamp-Lintfort ist Multikultur kein Fremdwort mehr: „Rund 280 Flüchtlinge sind auch in Kamp-Lintfort zu Hause und sind hier teils unter widrigen Bedingungen hingekommen“, erklärt der Vorsitzende Klotz. Das sei zunächst nur eine Zahl, aber hinter jeder einzelnen Flucht stünde eine Geschichte von Not, Krieg und Zerstörung und nicht selten werde Hilfe in lebensnotwendigen Dingen benötigt.

Hilfe geplant

Genau dort setzt der Verein an, der vor sechs Wochen gegründet wurde und somit noch in den Kinderschuhen steckt: Geplant sind etwa ehrenamtliche Nachhilfekurse in Deutsch, ein fester Standort in der Kamp-Lintforter Innenstadt als Treffpunkt und Hilfestellungen in Asylantenheimen. „Zudem möchten wir ein Integrationscafé eröffnen, in dem multikulturelles Zusammensein möglich werden soll“, erzählt das Paar Klotz mit Blick in die Zukunft. Die Gedenkfeier, die friedlich und ohne Gegendemonstration verlief, sei ein erster Schritt, mit Bürgern und der Politik in einen Dialog zu treten. Nach der Kundgebung sind sich die anwesenden Bürger einig: „Wer Hilfe braucht, muss Hilfe bekommen. Egal aus welchem Land.“Am Mittwoch, 29. April, trifft sich der Verein „Flüchtlingshilfe Ka-Li“ im alten Kasino an der Ringstraße 193 zu einem Plenum, das allen Interessierten offen steht. Weitere Infos: www.fluechtlingshilfe-ka-li.de.

 
 

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