Fünf Stolpersteine in Kamp-Lintfort verlegt

Der Künstler Gunter Demnig erklärt den Schülern der Unesco-Schule, was ihn zum Kunstprojekt „Stolpersteine“ bewegt hat.
Der Künstler Gunter Demnig erklärt den Schülern der Unesco-Schule, was ihn zum Kunstprojekt „Stolpersteine“ bewegt hat.
Foto: Ulla Michels
Unesco-Schüler forschten über jüdische Familien in Kamp-Lintfort. Die Cahns lebten zuletzt am Abteiplatz, bevor sie nach Riga deportiert wurden.

Kamp-Lintfort..  Der Künstler Gunter Demnig machte es anschaulich: „Vielleicht wären ja die Enkel oder Urenkel von Rosa heute Eure Freunde.“ Ohne die Nationalsozialisten und deren Judenhass hätte das sein können. So aber wurde Rosa Cahn im Alter von acht Jahren deportiert und in Riga ermordet. Ihre letzte Adresse war der Abteiplatz 2 am Kamper Berg.

Für sie und ihre ebenfalls deportierte und ermordete Familie legte Demnig gestern fünf Stolpersteine vor das Haus. Initiiert hatten das Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Unesco-Schule im Rahmen eines Projektkurses. Stille herrschte am Berg, als der Künstler zu Werke ging. Nur das Schaben der Maurerkelle war zu hören.

Kenan Tazl war einer der Schüler, die unter Federführung der Lehrerin Tanja Junkers ein Jahr über jüdisches Leben in Kamp-Lintfort geforscht haben. Sie haben trotz ausführlichen Archiv-Studiums nur eine Familie gefunden, die Cahns eben: Vater Walter, Mutter Elisabeth Else, die große Schwester Thea und die Tante Pia Philippine Eichwald. „Es gab bestimmt noch mehr Familien, aber wenn wir nicht mehr gefunden haben, liegt das vielleicht an der, sagen wir, schlechten Buchführung der Nazis“, glaubt der Zwölftklässler. Er hält die Arbeit am Thema auch für seine Generation für wichtig, selbst wenn sie keine Schuld trifft: „Sonst gerät das alles in Vergessenheit.“ Auch in Rheurdt waren die jungen Leute unterwegs und sorgten dafür, dass dort 13 Stolpersteine für Opfer der Nazis verlegt wurden.

An der Feierstunde gestern am Kamper Berg nahm auch Bürgermeister Christoph Landscheidt teil: „Wir wissen nicht viel über Rosa. Sie war ein Mädchen von acht Jahren, das ihr Leben nicht leben durfte“, sagte er. Er sprach von mangelnder Toleranz und Unmenschlichkeit, die sich auch heute wieder Bahn brechen würde.

Morddrohungen

56 000 Stolpersteine hat Demnig mittlerweile in 20 europäischen Ländern verlegt: „Und ich freue mich über jeden, der dazu kommt.“ Von Routine wolle er nicht sprechen, denn jedes Mal sind es einzelne Schicksale, die in Erinnerung gerufen würden. Nicht jedem gefalle diese Form des Mahnmals, aber: „Drei Morddrohungen in 15 Jahren – damit kann man leben.“ Dass die Menschen auf den Opfern „rumtrampeln“, dass will er so nicht gelten lassen: „Denn damit haben sich die Nazis nicht begnügt.“ Er zitierte einen Schüler, der zu den Stolpersteinen mal gesagt habe: „Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen.“ Demnig wies weiter darauf hin, dass – wer auf den Stolpersteinen etwas lesen wolle – eine Verbeugung vor den Opfern machen müsse. Seit gestern auch vor den Cahns aus Kamp.

 
 

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