Frühwarnsystem gegen Kindesmisshandlung

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Kamp-Lintfort.. Zugegeben: Die Fallzahlen sind relativ gering. Aber jeder Fall von Kindesmisshandlung ist einer zu viel. Und deswegen möchte die Stadt unter anderem Ärzte bei einer Infoveranstaltung sensibilisieren.

Referent ist der Duisburger Kinder- und Jugendarzt Dr. Ralf Kownatzki, der gemeinsam mit dem Polizeibeamten Heinz Sprenger das Frühwarnsystem Riskid (Risikokinderinformationssystem Deutschland) ins Leben gerufen hat.

Schweigepflicht statt Kindeswohl?

Etwas mehr als zehn Fälle dieser Art gibt es jährlich in Kamp-Lintfort, schätzt Brigitte Barz-Köpe, Teamkoordinatorin im allgemeinen sozialen Dienst der Stadt. Die Probleme dabei: Ärzte, denen Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern auffällt, unterliegen normalerweise der Schweigepflicht. Aber im Notfall sind sie von dieser Pflicht entbunden. Und es gibt Eltern, die gerne mal die Ärzte wechseln, um den Verdacht auf Misshandlungen zu vertuschen.

Riskid soll dazu beitragen, dass solche Informationen bei einem Arztwechsel nicht verloren gehen. Dazu möchten Mitarbeiter von Jugendamt und Arbeiterwohlfahrt die Ärzte ermuntern, das Krankenhaus St. Josef sowie die Kinderkliniken in Moers und Geldern, aber auch Vertreter der umliegenden Städte mit einbeziehen.

Auch wenn Riskid für Kamp-Lintfort neu ist: Das Thema Kindeswohl ist der Stadt seit langem ein Anliegen. Mit dem Projekt Kindernest unterstützt man seit mehr als drei Jahren angehende und junge Eltern. „Riskid ist jetzt ein weiterer Baustein“, so der zuständige Beigeordnete Christoph Müllmann. Auch Lehrer und Erzieher können Riskid nutzen.

Kindesmisshandlung hat nicht immer nur mit Gewalt zu tun. „Es gibt auch Verwahrlosung, Vermüllung“, so Sandra Schulz, Teamkoordinatorin beim allgemeinen sozialen Dienst. Wer darauf Hinweise gibt, muss nicht befürchten, dass das betroffene Kind aus der Familie herausgenommen wird. Jugendamtsleiterin Monika Ebling: „Das ist erst die letzte Maßnahme. Wir unterstützen die Eltern. Das ist unser erster Ansatz.“

 
 

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