Frau aus Moers bezahlt Brautschuhe mit 32.200 Pfennigen

Die zukünftige Braut Stefanie Koelen (li.), bezahlt ihre Hochzeitsschuhe bei Helene Gerach (re.) von Josefin Brautmoden an der Homberger Straße in Moers in Pfenning. Laut einer Volksweisheit ein Zeichen für ihre Sparsamkeit.
Die zukünftige Braut Stefanie Koelen (li.), bezahlt ihre Hochzeitsschuhe bei Helene Gerach (re.) von Josefin Brautmoden an der Homberger Straße in Moers in Pfenning. Laut einer Volksweisheit ein Zeichen für ihre Sparsamkeit.
Foto: Funke Foto Services
Als sie ein kleines Mädchen war, hat der Vater von Stefanie Koelen begonnen, Pfennige zu sammeln. Für 32.200 kaufte sie sich ein Paar Brautschuhe.

Moers.. Einmal im Leben... Bei der Heirat muss alles stimmen. Vom Schleier über den Blumenstrauß bis zu den Schuhen soll die Braut perfekt gestylt vor den Altar treten. Im Fall von Stefanie Koelen ist das mit den Brautschuhen von langer Hand vorbereitet. Bei Brautmoden Josefin hat man jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als sie mit einer großen Karaffe voller Münzen ins Geschäft kam.

Die 28-Jährige aus Moers heiratet am 29. Juli ihren Marcel. Einem alten Brauch folgend, hat sie die Brautschuhe mit Pfennigen bezahlt, 32 200 um genau zu sein. Über 14 Jahre nach der Euro-Einführung als Bargeld ist das schon ein kleines Kunststück. Dass Stefanie den alten Brauch wieder aufleben lassen kann, daran ist ihr Vater Karl-Heinz Koelen nicht ganz unschuldig.

Wenn die Braut ihre Brautschuhe mit Pfennigen bezahlt, hat sie das Glück auf ihrer Seite und zeigt ihre Sparsamkeit: so will es der Brauch, der die Jahrzehnte überdauert hat. Stefanie Koelen kann ihn jetzt in die Tat umsetzen und muss dabei nicht einmal auf die seit 14 Jahren gültigen Centmünzen zurückgreifen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine große Glaskaraffe und eine gute Idee ihres Vaters.

Der Gang zur Karaffe gehörte bei Familie Koelen zum Alltag

Seit Stefanies Geburt im Jahr 1987 hat Familie Koelen Pfennige in die Karaffe geworfen. „Ich wusste lange nicht, wofür meine Eltern, mein Bruder und ich gesammelt haben und habe auch nie nachgefragt. Jeder sammelt schließlich irgend etwas“, sagt Stefanie Koelen. Mit den Jahren haben Karl-Heinz Koelen und seine Ehefrau Heike, Stefanies Bruder Patrick und sie selbst die Karaffe immer weiter gefüllt. Sie stand in der Doppelhaushälfte im Moerser Stadtteil Hochstraß. Der Gang zur Karaffe: er gehörte bei Familie Koelen zum Alltag, jedenfalls bis der Euro, oder besser: der Cent, kam.

Irgendwann, als sie noch ein Kind war, hat ihr Vater Stefanie dann von dem Brauch erzählt, Brautschuhe in Pfennigen zu bezahlen. Sie kann sich heute nicht mehr daran erinnern, warum ihr Vater ihr das erzählt hat. Sicher weiß sie aber: „Einen Zusammenhang zwischen den Pfennigen in der Karaffe und Vaters Geschichte habe ich damals nicht gesehen.“

Erst als Stefanie Koelen, jetzt eine erwachsene Frau, in die Doppelhaushälfte direkt neben ihren Eltern zieht, überrascht sie ihr Vater: „Die Karaffe kommt mit, sie ist für deine Brautschuhe.“ Wenn Stefanie Koelen heute über die Szene spricht, glänzen ihre Augen: „Ich war sehr berührt. Das werde ich nicht vergessen.“

Brautmoden Josefin an der Homberger Straße

Die praktische Seite des Karaffenumzugs war nicht so einfach, denn das gute Stück war mit seiner Füllung einfach nicht zu bewegen. „Wir haben die Pfennige in Eimer gefüllt, die Karaffe dann von einem Haus ins andere getragen und wieder gefüllt“, berichtet Stefanie. Die selbe Prozedur hat sie unlängst wieder angewendet, als es dann tatsächlich um die Brautschuhe ging.

Bei Brautmoden Josefin an der Homberger Straße hat Stefanie einfach nachgefragt, ob es möglich sei, die Brautschuhe nicht mit den geforderten 150 Euro, sondern mit 32200 Pfennigen zu bezahlen. Inhaberin Helene Gerach hat nach einem kurzen Anruf bei der Sparkasse gern zugestimmt, und so steht die Karaffe jetzt samt Inhalt im Geschäft.

Dort soll das gute Stück auch bleiben, jedenfalls wenn es nach Stefanie geht. Die Karaffe neu zu füllen, das möchte sie nicht. Schließlich gilt der Brauch nur für die Braut und ihre Schuhe, ihr Sohn Ben kommt deshalb nicht in Frage.

Und wer es ganz genau wissen will: Nein, nachgezählt haben sie nicht im Hause Koelen, wie viele Pfennige denn da so zusammengekommen sind im Laufe der Jahre. „Wir haben mit der Briefwaage gewogen, ein Pfennig wiegt zwei Gramm. Es sind 322 DM in Pfennigen, also 32200“, berichtet Stefanie Koelen. Aber wer will das Glück einer Ehe schon in Pfennigen und Gramm aufwiegen?

 
 

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