Fotograf Sven Fennema stellt im Gewölbekeller des Klosters Kamp aus

Der Fotokünstler Sven Fennema stellt „Tales of Yesteryear“ im Gewölbekeller am Kloster Kamp aus: Architekturfotografie an verlassenen Orten.
Der Fotokünstler Sven Fennema stellt „Tales of Yesteryear“ im Gewölbekeller am Kloster Kamp aus: Architekturfotografie an verlassenen Orten.
Foto: WAZ FotoPool

Kamp-Lintfort. Die aktuelle Ausstellung im Gewölbekeller Kloster Kamp empfängt mit einem echten Hingucker: Blutrot und schwarz sind die dominierenden Farben des Großformats. Erst wer näher herantritt, erkennt, dass es sich um ein Treppenhaus handelt, genauer um das Treppenhaus der seit Jahren verlassenen und verfallenden Wein-Villa Branca am Luganer See. Morbider Charme ist überhaupt das Thema der Arbeiten des Krefelder Fotokünstlers Sven Fennema.

Der vergessene Flügel

Er zeigt uns verlassene Orte in ganz Europa, die ihre eigene Geschichte von Vergänglichkeit erzählen und doch oft so aussehen, als wäre eben noch Leben in diesen Häusern und Hallen gewesen. Zum Gruseln schön. Der vergessene Flügel im lichtdurchfluteten, völlig heruntergekommenen Saal. Das leere, verstaubte Bett. Der fast hochherrschaftliche Treppenaufgang einer ehemaligen Psychiatrie. Oder eben das halb kaputte Treppenhaus der Weinvilla, die übrigens nicht mehr existiert und einem Hotel weichen musste. „Tales of Yesteryear“ heißt die Schau, die mit ihrer Architekturfotografie so wunderbar in den Gewölbekeller passt.

Fennemas Arbeiten sehen aus wie Gemälde. Das erreicht er einerseits dadurch, dass er sie auf Leinwand zieht. Das gibt Struktur. Andererseits durch fünf bis sieben Belichtungen, die er übereinanderlegt und bearbeitet. Dadurch bekommen die Fotos eine unglaubliche Tiefe.

Was die Fotos des Krefelders auszeichnet, ist die präzise Komposition. Meist beschränkt er sich auf die spannende Geometrie eines Treppenhauses. Anleihen bei M. C. Escher sind durchaus beabsichtigt. Ausnahmsweise nur greift er zur Inszenierung, wenn er Teelichter auf der verstaubte Balustrade in einem historischen Theater drapiert.

Verlassene Orte zu fotografieren ist derzeit ein „Volkssport“ im Netz. Fennema distanziert sich jedoch von manchen dieser Gruppen, die vielfach eine „Vandalisierung“ vorantreiben oder illegal vorgehen. Er forsche wochenlang vorher, kenne die Geschichte jedes Gebäudes und hole die Erlaubnis ein, bevor er die Ruinen betritt.

 
 

EURE FAVORITEN