Flüchtlinge helfen Flüchtlingen in Neukirchen-Vluyn

Heike Marschmann,Tanja Meitzner und Kreishandwerksmeister Günter Bode. (vl oben) Johnson Yeboah und John Kuma .
Heike Marschmann,Tanja Meitzner und Kreishandwerksmeister Günter Bode. (vl oben) Johnson Yeboah und John Kuma .
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
  • Zwei junge Männer aus Ghana fangen am Montag ihre Ausbildung bei Marschmann an
  • Sie sind derzeit damit beschäftigt, den ehemaligen Speisesaal vom CJD frisch anzustreichen
  • Zuvor haben sie schon ein halbes Jahr im Betrieb gearbeitet

Neukirchen-Vluyn..  Johnson Yeboa und John Kuma sind emsig bei der Arbeit. Die beiden jungen Männer aus Ghana sind in diesen Tagen damit beschäftigt, den Wänden im früheren Speisesaal des CJD auf dem Gelände an der Wiesfurthstraße einen makelosen weißen Anstrich zu geben. Beschäftigt sind sie bei der Firma Marschmann. Am Montag beginnen sie offiziell ihre Ausbildung.

Den Betrieb kennen die beiden allerdings schon seit längerem. Seit einem halben Jahr arbeiten sie bei der Moerser Traditionsfirma.

Kreishandwerksmeister Günter Bode ist begeistert und lobt das Engagement von Heike Marschmann und ihren Kollegen. Der Obermeister der Malerinnung erinnert sich gut an den Start der Initiative Dialog für Ausbildung, die vor zwei Jahren von der Kreishandwerkerschaft und der Volksbank Niederrhein ins Leben gerufen worden ist.

Später hat man Flüchtlinge mit ins Boot genommen, der sci habe dann ein Bewerberprofil von jedem Flüchtling erstellt, sagt Bode. Und weiter: „Wir haben versucht, sie in ein Praktikum zu bekommen.“

Acht sind übernommen

Das hat bei zwölf Personen geklappt. Die jungen Menschen nach der dreimonatigen Praktikumsphase weiterzubeschäftigen, ist nicht einfach. Entweder gibt es nach dem Praktikum einen Ausbildungs- oder einen Mindestlohnplatz, erklärt der Kreishandwerksmeister. Letzteres ist für viele kleinere Betriebe schwierig.

Mittlerweile sind von den zwölf Flüchtlingen acht übernommen worden. Bei aller Freude darüber sagt Bode: „Das ist ja nur ein Wassertropfen.“ Und aktuell werfen die Anschläge die lokalen Bemühungen zurück, weil sie zu mehr Zurückhaltung bei den handelnden Akteuren führten.

Heike Marschmann ist jedenfalls begeistert von ihren beiden angehenden Lehrlingen aus Ghana. Man habe sie kennengelernt, sie seien handwerklich geschickt, also fand man schnell zusammen. Die bürokratischen Hürden meisterte die Firma Marschmann. Immerhin müssen, wie Kreishandwerksmeister Bode unterstreicht, die Arbeitsagentur, der Integrationpoint und die Ausländerbehörde mitreden.

Und letztlich – auch das ist Teil der Wahrheit – bedeutet ein Ausbildungsvertrag nicht, dass die jungen Menschen bleiben dürfen. Sie bekommen nach der Ausbildung eine zweijährige Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung. Und danach? Offen.

Samstag ist Einweihung

„John und Johnson sind gestattet“, sagt Heike Marschmann über den Status ihrer neuen Lehrlinge. Eine wichtige Frage für die Beschäftigung. Wichtig ist auch das soziale Umfeld. Wenn die soziale Anbindung fehlt, wird die Firma zur Ersatzfamilie. Und so wundert es nicht, dass neben der Patin der beiden auch die Firmenchefs bei der Suche nach einer Wohnung geholfen haben. Mit Erfolg.

Zur Ausbildung gehört natürlich auch, dass die jungen Männer lernen, wie Gesellschaft in Deutschland funktioniert. Dass Frauen und Männer gleichgestellt sind, zum Beispiel. Gesellin Tanja Meitzner ist schließlich jetzt ihre unmittelbare Vorgesetzte.

Seit einem Jahr bemühe sich die Grafschafter Diakonie darum, den Saal zu bekommen, erklärt Konrad Göke. Er arbeitet im Auftrag der Diakonie in der Flüchtlingsarbeit. Im Arbeitszimmer im Dorf passiere viel. Insbesondere die Frauen hätten aber den Wunsch geäußert, einen Raum zu bekommen, in dem sie Sport machen können oder Aktivitäten mit den Kindern. Das und mehr ist jetzt möglich. Am Samstag wird der Raum eingeweiht.

 
 

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