Flüchtling aus Kamp-Lintforter Kirchenasyl abgeschoben

In der Josefskirche in Kamp-Lintfort hatte der Flüchtling aus Nigeria für zwei Monate Asyl gefunden.
In der Josefskirche in Kamp-Lintfort hatte der Flüchtling aus Nigeria für zwei Monate Asyl gefunden.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
Zwei Monate hatte der Flüchtling aus Nigeria Kirchenasyl in Kamp-Lintfort gefunden. Donnerstagmorgen brachte ihn Beamten zum Flughafen.

Kamp-Lintfort.. Die Uhr am Kirchturm von St. Josef zeigt 3.15 Uhr am frühen Donnerstagsmorgen. Vor der Kirche hält ein dunkler Bulli der Kreisverwaltung Wesel. Die Beamten sind gekommen, um einen 35-jährigen Mann aus Nigeria abzuholen, der seit zwei Monaten in der Kirche Asyl gefunden hat.

Vor der Kirche haben sich 15 Menschen versammelt, die den Mann in den vergangenen Wochen unterstützt haben. Sie haben ihm zu essen gebracht, sie haben mit ihm gesprochen und mit ihm gelacht. Jetzt ist allen eher nach Weinen zumute. Die Kirche als sicherer Ort: das war für den Mann aus Nigeria und für viele Menschen beider Konfessionen lange Zeit so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche.

Die Nacht des Abschieds

Nicht zuletzt aus dieser Überzeugung hat sich Pfarrer Karl Josef Rieger zum Kirchenasyl für den Nigerianer entschlossen, als vor über zwei Monaten erste Befürchtungen aufkamen, dass der Mann abgeschoben werden könnte. Der Mann, der nicht genannt werden möchte, hatte zuvor die Gottesdienste in St. Josef regelmäßig besucht. Nun stehen in dieser lauen Sommernacht alle zusammen, der Mann, der Pfarrer und die neuen Freunde und müssen sich schon wieder voneinander verabschieden. „Habe keine Angst“, ruft Rieger seinem Schützling zu, als er in den Bulli steigt. Die Fahrt geht zum Düsseldorfer Flughafen. Ein Flugzeug bringt ihn nach Italien.

Dass er nicht direkt nach Nigeria zurück muss, hat einen guten Grund: Nach einer Odyssee, die in diesen Jahren viele Flüchtlinge erleben, wurde seine Personalien zuerst in Italien aufgenommen. Dort wird jetzt auch das Asylverfahren eingeleitet. Als politisch Verfolgter gilt er, nach allem, was bekannt ist, nicht.

Das hätte auch in Deutschland passieren können. Am 11. August, nächsten Dienstag, wäre die Duldung abgelaufen und das Verfahren hätte in Gang gesetzt werden müssen. Bis zum Ende des Verfahrens hätte er bei seinen neuen Freunden im Kirchenasyl von St. Josef bleiben können – hätte.

"Eine menschliche Bankrotterklärung"

Die Gruppe vor der Kirche schaut dem Bulli hinterher. Manche berichten von einem „komischen Gefühl in der Magengegend“, andere denken daran, was jetzt wird aus dem Mann, einer sagt: „Das Vorgehen ist eine menschliche Bankrotterklärung.“ In Italien, dafür hat Pfarrer Karl Josef Rieger gesorgt, wird der Mann aus dem Kirchenasyl wieder Menschen haben, die sich um ihn kümmern. In Kamp-Lintfort bleiben viele zurück, die sich auch weiterhin gern gekümmert hätten.

 

EURE FAVORITEN