Exotische Ameisen sorgen für Nachbarschaftsstreit in Kamp-Lintfort

Eine Blattschneiderameise im Vorgarten Gabriele Beckers.
Eine Blattschneiderameise im Vorgarten Gabriele Beckers.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Kamp-Lintforter hält Ameisen im Keller
  • Die Tiere finden auch den Weg zu den Nachbarn
  • Das Ordnungsamt hat keine Handhabe gegen den Halter

Kamp-Lintfort.. „Ich hab meinen Augen nicht getraut. Da saß ich auf der Terrasse, und die Ameisen zogen mit Blättern und anderem Grünzeug an mir vorbei“, schildert Gabriele Becker, Anwohnerin der Georgstraße. Das war 2012. Seither habe es jeden Sommer einen Ameisenbefall gegeben. „Diesen Sommer haben wir die Tierchen am Kellerfensterloch an der Vorderseite des Hauses.“ Gemeint sind die Ameisen des Nachbarn, der etliche exotische Völker bei sich im Keller hält: „Da muss wohl eine Königin ausgebrochen sein“, sagt Nachbar Siggi Wischnewski.

Im Internet zeigt Wischnewski Aufnahmen von Blattschneiderameisen und anderen Arten. „Die sind 500 bis 1000 Euro wert, wenn Zoos sie kaufen“, erklärt er stolz. Dass ab und zu Tiere zum Nachbarn liefen, seien Ausnahmefälle. Auch Befürchtungen, die Krabbler könnten unter den Altbau-Holzdielen der Nachbarn ganzjährig sesshaft werden, zerstreut er: „Die exotischen Ameisen können unsere Winter gar nicht überleben.“

Die Nachbarin Gabriele Becker und ihr Lebensgefährte Uwe Kluge bezweifeln das angesichts der regen Aktivitäten, die die blattschneidenden Tiere in ihrem Vorgarten entwickeln. „Sehen Sie selbst, wie es wimmelt und wie sie alles Material in den Kellerschacht tragen.“ Das Problem mit des Nachbarn Ameisen habe man nun schon im vierten Jahr. „Mal sind es schwarze Tiere, mal rote Blattschneider.“ Bei einem anderen Nachbarn hätten die Exoten sich großflächig an den Rosen vergangen. „Wir fühlen uns allein gelassen. Alle Beschwerden bei den Behörden haben nicht gefruchtet“, erklärt Gabriele Becker genervt.

Keine Störung

Dies wird wohl auch so bleiben. Denn Martin Notthoff, Dezernent bei der Stadt, weiß: „Das Ordnungsamt hat sich bereits mit der Sache befasst.“ Doch leider gebe es keine Handhabe gegen das Hobby des Ameisenhalters. „Es handelt sich ja nicht um die Störung der öffentlichen Ordnung, für die wir zuständig wären, beispielsweise wenn Heerscharen von Ameisen über die Straße liefen.“ Solange niemand gefährdet sei, könne das Amt nicht einschreiten. Auch richteten die Ameisen keinen Schaden an. Einzige Möglichkeit sei wohl der zivilrechtliche Klageweg über einen Anwalt.

Ähnliches bekundet auch der Leiter der Naturschutzbehörde beim Kreis Wesel, Klaus Horstmann. „Die Ameisen sind Exoten und gehören nicht zu den geschützten Arten.“ Daher gebe es auch für die Kreisbehörde keine Handhabe, einzuschreiten.

Ob der jahrelange Nachbarschaftsstreit je ein Ende nimmt, ist zu bezweifeln. Beide Parteien sind sich wegen der Ameisen inzwischen ganz offensichtlich spinnefeind.

 

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