Erinnerung an die Zwangsarbeiter des 2. Weltkriegs

Foto: WAZ FotoPool
Während des zweiten Weltkriegs gab es 1500 Zwangsarbeiter in Neukirchen-Vluyn. Wer mit offenen Augen über den Friedhof am Grotfeldsweg geht, bemerkt deren gut gepflegte Gräber. Um die Schicksale dieser Menschen zu dokumentieren, wurden jetzt Gedenktafeln mit Informationen in der Stadt aufgestellt.

Neukirchen-Vluyn. Wer mit offenen Augen über den Friedhof am Grotfeldsweg geht, bemerkt auch die gut gepflegten Gräber der Zwangsarbeiter. Um die oft traurigen Schicksale dieser Menschen zu dokumentieren, wurden jetzt Gedenktafeln mit Informationen an vier Plätzen in der Stadt aufgestellt. Günter Fischer und Krista Horbrügger vom Museumsverein, Elisabeth Wannenmacher von NV Auf geht’s und Frank Grusen von der Stadt erläuterten gestern die Hintergründe.

Zwischen 1939 und 1945 gab es 1500 Zwangsarbeiter in Neukirchen-Vluyn. „Hauptsächlich mussten sie auf der Zeche unter unmenschlichen Bedingungen schuften“, schildert Krista Horbrügger. Die Versorgung mit Medizin und Lebensmitteln war katastrophal. „Die Arbeiter, hauptsächlich aus dem Osten, waren in Baracken eng zusammengepfercht.“ Ein Lager lag an der Holtmannstraße, wo heute die Unterkünfte für die Vereine sind. „Daher haben wir dort auch eine Informationstafel aufgestellt“, so Günter Fischer. Gegen Ende des Krieges sei jeder zweite Beschäftigte aus Niederberg ein Zwangsarbeiter gewesen. Streng verboten sei es für die Bevölkerung gewesen, den halb verhungerten Gestalten etwas Brot oder ähnliches zuzustecken. „Es gab aber auch andere Zwangsarbeiter beispielsweise in der Landwirtschaft“, so Horbrügger. Ganz unterschiedlich sei die Behandlung auf den Höfen gewesen. „In einem Fall kam eine ausgemergelte Zwangsarbeiterin auf den Hof Mühlenhoff. Dort lebte sie mit in der Familie, was eigentlich verboten war. Sie hatte nach kurzer Zeit 20 Kilo zugenommen. Der Kontakt hält noch immer an“, berichtet die Geschichtsforscherin.

Das Thema Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg wurde im Zuge des Projektes der Gedenktafeln nicht zum ersten Mal aufgearbeitet. Bereits 1992 erschien in einem kleinen Buch von der damaligen „Geschichtswerkstatt Neukirchen-Vluyn“ zum Thema. 2008 gab der Moerser Bernhard Schmidt unter Beteiligung des Vereins Erinnern für die Zukunft das Buch „Moers unterm Hakenkreuz“ heraus, in dem es unter anderem auch um die Zwangsarbeiter im Altkreis und in Neukirchen-Vluyn geht – Berichte, zusammengetragen von Krista Horbrügger.

Das Aufstellen der Tafeln in diesen Tagen kostete 1700 Euro, den Betrag teilten sich die Rat der Stadt (1000 Euro), die Fraktion NV Auf geht’s (500 Euro) und der Verein Erinnern für die Zukunft (200 Euro). „Der Museumsverein plant ab nächstem Jahr ergänzende Führungen zum Thema anzubieten. Auch, weil wir meinen, dass es hier einen Informationsbedarf gibt“, berichtet Frank Grusen.

Die Fraktion NV Auf geht’s hatte die Idee für die Tafeln in den Rat eingebracht. Elisabeth Wannenmacher: „Uns geht es einerseits um die Aufklärung über den Faschismus, andererseits aber auch darum, dass es einen Widerstand im Altkreis Moers gab.“