Einmal Weltreise erster Klasse

Bei dem Konzert in der Dorfkirche Repelen sang die Montreux-Preisträgerin Anastasiya Volokitina.
Bei dem Konzert in der Dorfkirche Repelen sang die Montreux-Preisträgerin Anastasiya Volokitina.
Foto: WAZ FotoPool

Moers.  „Das Jahr hat leider nur zwölf Monate“, bedauert Michael Schiefel, Moerser Improviser in Residence 2013, am Sonntagnachmittag. Zum dritten und letzten Mal stellte der Professor für Jazzgesang in Weimar mit Nastja, Trägerin des zweiten Preises im Montreux Jazz Voice-Wettbewerb, Talente aus den Reihen seiner Studierenden in der Jazzreihe der Dorfkirche vor.

Konrad Göke, verantwortlich für das Kulturprogramm, freut sich mit rund 80 Zuhörern: „Wir können hier einen breiten Programmbogen realisieren. Wo sonst, wenn nicht bei uns in der Kirche, sollte der Raum dafür sein?“

Ein vorsichtiges Erwachen

Mit „Armenian Interlude“, einer Eigenkomposition von Nastja, beginnt „ein Trip durch viele Länder.“ Mit viel Charme präsentiert die zierliche junge Frau ihren grandiosen Gesang. Umfang und Transparenz ihrer Stimme, die Dynamik und Modulationsfähigkeit begeistern die Zuhörer geradezu zwangsläufig. Die begleitenden Musiker – Maxim Tartakovskiy (Zugposaune), Malte Sieberns (Flügel), Marcel Siegen (Kontrabass) und Hans Otto (Schlagzeug) – sind ebenfalls jung, hochgradig begabt und beschicken den Raum mit melodiösen, atmosphärischen Jazzstrukturen.

Zwischen aller Gesangskunst bleibt auch Raum für hochklassige Instrumentaldarbietung. Wobei sich das Publikum bisweilen kaum traut, Zwischenapplaus für Solisten zu geben. Auch nach den Stücken ist es oft wie ein vorsichtiges Erwachen, bis der Applaus einsetzt.

Fragmente alter Musik aus Sibirien, Bulgarien, Serbien, der Türkei und Russland passieren Revue. Gestrichener Kontrabass, ein Duett von Gesang und Posaune, von zaghaft artikuliert bis expressiv entwickeln sich musikalische Landschaftsbilder, ohne Text.

Nastja erklärt Herkunft oder Inspiration, wie beim Stück „Galadan Galao“: „Ein uraltes aserbaidschanisches Stück mit einer sehr schönen Melodie. Eigentlich sind es nur zwei Takte, aber dann wurden acht Minuten daraus.“

Leise, dezent, trotzdem treibend, beginnt dann der Bass das letzte Stück, eine russische Weise. „Volkspartymusik!“, erklärt Nastja, „eine fröhliche Musik, aber ein trauriger Text über ein Mädchen, das gegen ihren Willen heiraten muss.“ Multiinstrumentalist Tartakovskiy singt dabei einige einfühlsame Zeilen mit. Langer Applaus, dann sorgt die Zugabe „Beautiful Love“ mit ihrem Swing – präzise wie ein Uhrwerk, aber mit der Kraft einer Turbine – für eine letzte Gänsehaut.

„Wir müssen uns jedes Mal bedanken, was für großartige Musiker hier zu uns kommen“, schließt Konrad Göke den Abend. Dem war – außer „Standing Ovations“ und einer Spende am Ausgang – nichts hinzuzufügen.

 
 

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