Eine Nacht unter Bergleuten in Moers

Anika Hegmans
Mitglieder des Schlosstheaters luden ins Schlaflabor ein, um die Träume der Gäste und der Maschinen ans Tageslicht zu befördern.
Mitglieder des Schlosstheaters luden ins Schlaflabor ein, um die Träume der Gäste und der Maschinen ans Tageslicht zu befördern.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo

Moers.  ExtraSchicht der Extraklasse: Zum zweiten Mal begeisterte die lange Nacht der Industriekultur viele Besucher. Das Motto „Eine Nacht unter Bergleuten“ hielt alles, was es versprach, der Samstagabend stand ganz im Zeichen der Bergwerkstradition. Erneut war Rheinpreußen Schacht IV Schauplatz des breit gefächerten Programms, das einen Höhepunkt nach dem nächsten bot und mehr als 1200 Besucher anzog.

Steigerlied zum Auftakt

Da war zum Beispiel die Eröffnung durch den Knappenchor Homberg, der als erstes das Steigerlied anstimmte und so den Startpunkt für einen stimmungsvollen Abend ganz im Zeichen der Moerser Bergbaugeschichte setzte. Das Industriedenkmal Rheinpreußen Schacht IV besteht aus denkmalgeschützten Gebäuden mit einem Doppelstreben-Fördergerüst. Die elektrische, 700 PS-Fördermaschine ist im Original erhalten und lief von 1906 bis 1990. Das Fördergerüst, das älteste seiner Bauart im Ruhrgebiet, ist 48 Meter hoch und wies den Besuchern am Samstagabend schon von weit her den Weg. Viele Male führten ehemalige Bergleute – natürlich in Bergmannskleidung – die Besucher durch das Gebäude und beantworteten dabei unzählige Fragen zur Arbeit unter Tage, dem Zusammenhalt der Bergleute oder zu technischen Einzelheiten.

Da konnte es in den engen, niedrigen Gängen ab und an eng werden. „Es hat uns besonders gefreut, dass die Führungen so stark besetzt waren“, so Peter Boschheidgen, Vorsitzender des Grafschafter Museums- und Geschichtsvereins (GMGV), der die ExtraSchicht organisiert hatte. „Das zeigt, dass die Menschen wissensdurstig sind und ermuntert uns, auch im nächsten Jahr eine ExtraSchicht auf die Beine zu stellen.“ Auch zur letzten Führung eine Stunde vor Mitternacht kamen noch viele Interessierte, die den Bergleuten folgten und oft selbst Geschichten von anderen Zechen beisteuerten. „Ich habe lange im Ruhrgebiet unter Tage gearbeitet und finde es sehr wichtig, dass wir die Erinnerung und das Wissen um den Bergbau auch in Zukunft weitergeben“, meinte Arnold Weber (Duisburg).

Für eine weitere musikalische Komponente des Abends sorgten „Die Püttrologen“, eine Band, die aus ehemaligen Bergleuten besteht. Sie spielten gleich drei Mal und brachten das bunt gemischte Publikum in Stimmung. Das Schlosstheater Moers lud ins Schlaflabor ein und wollte alle Träume der Gäste und der Maschinen ans Tageslicht befördern.

Auch für das leibliche Wohl war durch die Diskothek Generation bestens gesorgt. Mit Currywurst und Bier ließ sich die lange Nacht der Industriekultur stilecht abrunden. „Wir sind rundum zufrieden“, meinte Boschheidgen. „Die Besucher haben sich nicht vom eher tristen Wetter abhalten lassen.“

Die schönste Atmosphäre kam zu später Stunde auf, als Wolfgang Schubert und Rolf Arno Specht von „Lichtwechsel Ruhr“ das Fördergerüst illuminierten. „Eine tolle Aktion“, meinte Gisela Schuhmacher aus Moers, die das Schauspiel mit ihrer Kamera festhielt. „Und als der Knappenchor Rheinland im Kerzenschein Bergmannslieder angestimmt hat, war das für mich der Höhepunkt des Abends.“ Ebenso faszinierend zeigte sich aber der „Wildwuchs“, eine Licht- und Klanginstallation, die die Fassade des Fördermaschinenhauses mit rhythmischen Bildern verwandelte. „Der Besuch hat sich sehr gelohnt“, fanden auch Angela und Peter Neudorf. „Wir hoffen, dass die ExtraSchicht im nächsten Jahr wieder stattfindet.“