Eine Frage des Einkaufens

Neukirchen-Vluyn..  In weniger als einem Monat wird sich die Politik wieder mit dem Thema Nahversorgung befassen. Der Stadtentwicklungsausschuss tagt am 10. September, und wenn alles nach Plan läuft, müsste – anders als bei der Sitzung im Juli – ein Vertreter der BBE Handelsberatung anwesend sein, um das aktuelle Nahversorgungskonzept zu erläutern. Das wird sicher notwendig sein. Immerhin geht es um nicht weniger als die Frage, ob sich ein 2600 Quadratmeter großer Supermarkt mit Getränkemarkt auf Niederberg mit den Plänen verträgt, die für das Gelände des Neukirchener Erziehungsvereins vorgesehen sind.

Dort soll bekanntlich ebenfalls ein Nahversorgungsangebot geschaffen werden, das nach dem Ende des Kaisers-Marktes die Lücke schließt. Gewünscht ist ein Supermarkt, kein Discounter. Bürgermeister Harald Lenßen hat in den vergangenen Wochen und Monaten stetig betont, dass das Gelände des Erziehungsvereins für ihn Priorität habe.

Auf den ersten Blick scheint es, als könnte beides in friedlicher Koexistenz gedeihen. Bemerkenswert war allerdings bereits bei der Vorstellung des Konzeptes, dass plötzlich – abweichend von allen bisherigen Beschlüssen – auf Niederberg nicht mehr 800 qm Einzelhandel vorgesehen waren, sondern 2600 qm.

Zudem ist bei dem als „Planvorhaben“ bezeichneten Projekt auf Niederberg explizit von einem „Supermarkt und Getränkemarkt“ die Rede, während auf dem Gelände des Erziehungsvereins nur von einem „Nahversorger“ gesprochen wird. Was nickelig klingt, könnte ein Hintertürchen offen lassen. Denn unter der Bezeichnung „Nahversorger“ sind nicht nur Supermärkte, SB-Warenhäuser und dergleichen subsumiert, sondern eben auch Discounter. Einen solchen gibt es am Rande des Dorfes mit dem Aldi bereits.

Zudem fällt im vorliegenden Gutachten der Zentralitätswert auf. Der liegt bei 74,8 Prozent und weist somit auf einen Kaufkraftabfluss hin. Im weiteren Verlauf ist sogar von nur 66 Prozent die Rede – das klingt nach dringendem Handlungsbedarf.

Interessant sind allerdings Zahlen aus dem Einzelhandelsgutachten von 2006. Dort liegt der Wert für die Kaufkraftbindung im Bereich Nahrung/Genussmittel bei 92 Prozent, im Bereich Drogerie/Parfümerie liegt er bei 66 Prozent. Kombiniert liegt der Wert für die Kaufkraftbindung bei rund 88 Prozent. Insofern ist zu klären, ob sich „echte“ Supermärkte an beiden Standorten tatsächlich keine Konkurrenz machen.

Für den Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Wilhelm Bommann ist klar: „Jede Entwicklung muss darauf ausgerichtet sein, dass die Nahversorgungsstruktur nicht an einer Stelle sehr gut ist und auf der anderen wegzubrechen droht.“

 
 

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