Ein Weg, gepflastert mit Fragen

Moers. Wer in diesen Tagen Otfried Kinzel sprechen möchte, der landet ziemlich zügig beim Betriebsrat. Zumindest, wenn er Fragen zur derzeitigen Situation der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe hat.

Ein paar Büros weiter entscheidet sich auch Vorstandskollege Dr. Werner Kook dazu, das Schweigen Gold ist. Nur: Für wen? Der Niag-Patron sitzt zwar im selben Boot, aber auf verschiedenen Seiten. Kinzel, der entmachtete Niag-Mann, dürfte von den Rhenus-Männern Kook und Wolfgang Orth schlichtweg überstimmt worden sein, als darum ging, jüngst die beiden Abteilungsleiter vom Stuhl zu holen.

Und genau in diesem Kräfteverhältnis liegt die größte Angst der Belegschaft beim Blick in die Zukunft.

Dabei hält Rhenus Veniro die vertraglich zugesicherten Leistungen ein. Die Verluste werden minimiert, am Standard des Verkehrsnetzes wurde nicht gerüttelt und die Zahl der Mitarbeiter im Gesamtbetrieb – also Niag (derzeit 423) plus Verkehr und Service am Niederrhein (VSN) und Umschlags- und Transportgesellschaft (UTG) – blieb auf Niveau beziehungsweise stieg. Niemand wurde gekündigt.

Andererseits: „Die Minimierung der Verluste wurde in erster Linie dadurch erreicht, dass in der Mutter Niag abgebaut und bei VSN und UTG aufgebaut wurde“, erklärt Betriebsrat Jürgen Rieck. Das sei im Ergebnis deutlich günstiger. Und der Kündigungsschutz, der währt nun mal nur noch bis 2013. Danach, fürchten die Niag-Mitarbeiter, geht’s rund. Dass Rhenus gerade in Minden ein Verkehrsunternehmen „platt gemacht hat“, wie es heißt, und die Leistungen nun billiger erbringen lässt, entmutigt.

Schon heute sind 40 Mitarbeiter durch Aufhebungsverträge ausgeschieden. Das Unternehmen wird verschlankt. Jetzt, da es an die Verwaltung geht und dort niemand die 75 000 Euro nehmen wollte, wird offenbar eine Art „Mensch-ärgere-dich-nicht“ gespielt. Alles schaut gespannt und mit Magenschmerzen auf Dienstag, wenn der Vorstand das neue Personalorganigramm vorgestellt. Hinzu kommt der Umstand, dass nach NRZ-Informationen nicht mehr investiert wird. In Busse oder Höfe. Die Belegschaft fragt sich: Aus welchem Grund macht ein Unternehmen, das sich für die Zukunft aufstellen will, so etwas?

Thorsten Neufeld von der Gewerkschaft Verdi kann die Kollegen verstehen, die fürchten, dass Rhenus Veniro ein Lohndumping-System vorbereitet. „Und selbst wenn der Kündigungsschutz noch Bestand hat. 2011 werden die Konzessionen neu ausgeschrieben. Rhenus entscheiden, ob es sich mit der NIAG um die Linien bewerben will oder nicht.“ Und wenn etwa die Aufträge fehlten, seien auch die Arbeitsplätze weg.

Unter
Tarif

Apropos Tarife: Ein Niag-Neueinsteiger verdient 1968,30 Euro bei einer 39-Stundenwoche. Bei einem Privattarif wären das schon fünf Stunden mehr. „Der Markt ist umkämpft. Wir wissen, dass auch unter Tarif bezahlt wird. Sogar mit Tankgutscheinen für Überstunden.“

Andere haben ein Auge auf der Zehn-Millionen-Rücklage, die bislang unangetastet ist. Einst zur Verfügung gestellt vom Kreis, wurde sie in Eigenkapital überführt. Im Falle einer Ausschüttung würde auch Rhenus profitieren. Und das nicht zu knapp.

 
 

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