Ein neues Haus für die Gemeinde in Hoerstgen

Harry Seelhoff
Das Projekt an der Molkereistr 18 in Hoerstgen. Der Neubau soll nach dem Abriss des alten Gebäudes an der gleichen Stelle entstehen.
Das Projekt an der Molkereistr 18 in Hoerstgen. Der Neubau soll nach dem Abriss des alten Gebäudes an der gleichen Stelle entstehen.
Foto: Privat
Die Freie Evangelische Gemeinde Hoerstgen baut ein neues Gemeindezentrum. Sie muss für die Baukosten selbst aufkommen, der Altbau wird abgerissen.

Kamp-Lintfort.  Es ist nicht das erste Mal, dass die Freie Evangelische Gemeinde Hoerstgen beschließt, ihren Gemeindesaal abzureißen. Der erste Saal, Baujahr 1872, wurde 1900 abgerissen, um einem größeren Neubau zu weichen. Dieses Schicksal wird der in die Jahre gekommene Bau an der Molkereistraße 18 nun mit seinem Vorgänger teilen: Die Gemeinde errichtet an seiner Stelle ein modernes Gemeindezentrum.

Das Bauprojekt, so Helmut Nehrenheim, trage den Namen „Faktor zwei“: Der Neubau biete 199 Plätze im Gemeindesaal, während der Altbau nur die Hälfte aufweise; zudem seien beim mittlerweile zusehends maroden Bau die Wände feucht. Und die Freie Evangelische Gemeinde kann sich über Zulauf nicht beklagen, wie Nehrenheim betont, der in der Gemeindeleitung aktiv ist: „Wir müssen davon ausgehen, dass immer mehr kommen.“

Aber auch wenn immer mehr kommen, so bleibt die Finanzierung für die Gemeinde eine echte Herausforderung. Die kompletten Baukosten – 720 000 Euro schlüsselfertig – müssen von den Mitgliedern und durch Spenden aufgebracht werden.

Spitzbogenfenster werden gerettet

Übrigens fällt nicht alles dem Abrissbagger zum Opfer: Die beiden Spitzbogenfenster des Altbaus werden als dekorative Elemente den neuen Gemeindesaal schmücken, und auch das Kreuz, 2011 anlässlich des 150-jährigen Gemeindejubiläums von den Gemeinde selbst gestaltet, wird dort seinen Platz finden. Tradition trifft auf Moderne – in diesem Sinne sei der Neubau durch die Architekten Arno Kleinlützum und Jochen Hiller aus Neukirchen-Vluyn entworfen worden.

Zunächst sei die Frage zu klären gewesen, ob nicht eine Sanierung und Erweiterung des Altbaus eine Alternative sein könnte, erläutert Arno Kleinlützum. Vor etwa eineinhalb Jahren habe sich die Gemeindeversammlung jedoch für den Neubau entschieden, und nun gelte es, das gemeinsam gesetzte Ziel zu erreichen: Den Gottesdienst an Heiligabend 2016 will die Gemeinde bereits im neuen Saal feiern.

Ist er erst einmal fertig, bietet der Neubau zudem weit mehr als nur einen Gemeindesaal. Architekt Kleinlützum hatte bei der Planung viel zu bedenken: „Gottesdienste, Vorträge, Jugendveranstaltungen, außerdem hat die Gemeinde eine eigene Band und braucht dafür eine Bühne.“

Aber nicht nur eine Band, ergänzt Helmut Nehrenheim, sondern auch einen gemischten Chor, der der Bühne ebenso bedürfe wie der sehr aufwändig gestaltete Kindergottesdienst zu Weihnachten.

Apropos Kinder: Gerade sind 60 Kinder im Osterlager der Gemeinde zu Gast, die die Betreuung von 8 bis 17 Uhr übernimmt. Der Neubau an der Molkereistraße wird ein lebendiges Gemeindezentrum und eine Bereicherung für ganz Hoerstgen sein. Der moderne Entwurf der Architekten, so Nehrenheim, auch Sprecher des Bauausschusses, zeige, dass der christliche Glaube eben nichts Antiquiertes sei.