Ein Leben für die Bosnienhilfe

Sonja Volkmann
Heribert Hölz im Gespräch mit der Redaktion.
Heribert Hölz im Gespräch mit der Redaktion.
Foto: Waz FotoPool

Neukirchen-Vluyn.  Der Mann ist ein echtes Unikat. Einer, der viel sagt und kritisch fragt, einer, der enorm viel gibt, ein umtriebiger Mensch, der sich emsig und uneigennützig kümmert. Das Gesicht der Bosnienhilfe. Am kommenden Dienstag, 9. Oktober, wird Heribert Hölz 70 Jahre alt. Wenn man ihn fragt, wie er diesen Tag begehen will, wird er bescheiden und ruhig.

Nein, ein großes Fest möchte er nicht feiern. Schließlich haben er und seine Frau Ursula gerade ihre Rubinhochzeit groß begangen, seine älteste Tochter ihren 40., seine Frau ihren 70. Geburtstag. Die jüngere Tochter wird im kommenden Jahr 40. Er werde jetzt nur etwa 100 Menschen zum Kaffeetrinken einladen. Ohne Programm dieses Mal.

Und ohne den Wunsch, Geburtstagsgeschenke zu bekommen. „Ich bin ein zufriedener Mensch“, sagt Hölz. Wer ihm etwas geben möchte, könne gerne das Schafprojekt in Bosnien unterstützen. Ein Schaf kostet 130 Euro, ein Bock 150. Das Projekt sei ein wichtiger Baustein der Hilfe zur Selbsthilfe, betont der Noch-69-Jährige.

Da ist er wieder, der Heribert Hölz, der sich seit nunmehr 20 Jahren für die Bosnienhilfe einsetzt und dabei schon so unendlich vielen Menschen mit Rat und besonders Tat geholfen hat. Rund 2,5 Millionen Euro hat Heribert Hölz in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach Bosnien zu den Menschen gebracht. Etwa 77 Mal ist er seit dem Beginn seines Engagements Anfang 1992 bereits in die Region gereist.

Er hat tonnenweise Lebensmittel dorthin gebracht, hat die Suppenküche in Zenica aufgebaut, die weiterhin mit 17 000 Euro jährlich durch den Verkauf von Marmelade finanziert wird, er hat eine Kleinbauerngenossenschaft gegründet, ist in der Alten- und Krankenhilfe engagiert und hat viele der nunmehr 1400 Patenfamilien (pro Jahr werden 70 Familien unterstützt) besucht, die mit Hilfe deutscher Paten zwischen Trümmern ein Auskommen haben. Immer dabei: seine braune Aktentasche. Das Original hat seit kurzem allerdings ausgedient. Zu kaputt, zu viele Löcher.

Heribert Hölz lächelt: Sie stehe jetzt in Mittelbosnien in einem Museum. Ja wirklich. Nicht nur das zeigt die innige Verbundenheit der Kontaktpersonen mit ihrem niederrheinischen Entwicklungshelfer. Hölz hat sich jetzt eine neue Tasche gekauft. Die wird er brauchen.

Denn ans Aufhören denkt er lange nicht. Er ist beflügelt von dem, was die Bosnienhilfe bewirkt hat und noch immer bewirkt, auch in Zeiten, in denen kaum noch einer über diese Region spricht. Mittlerweile sind es andere Krisengebiete, die bei den meisten Menschen im Kopf sind. Aber es gibt immer noch Not, weiß Heribert Hölz.

Und er hat weiterhin Pläne. Als nächstes möchte der Fast-70-Jährige in Bosnien eine Obstplantage gründen. Wieder ein Projekt zur Selbsthilfe. Einige seiner Erlebnisse hat Heribert Hölz in seinem Buch „Von Lebertran bis Slivovic“ verarbeitet. Wenn er alles aufschreiben würde, könnten seine Werke Regale füllen. Und schreiben, ja, das macht er auch gerne.