Ein Blick zurück von Zorn

Foto: WAZ FotoPool

Moers..  Geduld beim Schlangestehen war gestern Abend zur Eröffnung des Moers Festivals angesagt. Der „Zorntag“, ein ganzer Festivalabend nur bestritten von John Zorn und verschiedenen Projekten, erwies sich als Publikumsrenner. Im Zelt war es proppenvoll. Und es war noch kein Ton erklungen, da brach schon Jubel aus.

Mit seinem „Song Project“ bescherte der amerikanische Komponist, Bandleader und Saxophonist dem Publikum einen gefälligen Einstieg ins Programm. Zwar schrie Mike Patton direkt zu Beginn mit ein bisschen ohrenbetäubendem Punk das Publikum nieder, aber direkt darauf folgte die Argentinierin Sofia Rei als Solistin und kuschelte sich mit südamerikanischer Folklore in die Ohren. Gefolgt von einer Pop-Nummer mit Jessie Harris, leicht wie ein lauer Sommerabend, der es nun leider so gar nicht war. Mit dem „Song Project“ bewies John Zorn, dass er sich um Genres nicht schert: Jazz-Rock, schmutziger Blues oder Tango -- der Mann ist ein musikalischer Tausendsassa. Mit diesem All Star Ensemble,das er in Moers für diese Weltpremiere und den Blick auf 30 Jahre Musik um sich versammelt hatte, um so mehr.

Und im Laufe des Abends sollte er das in aller Vielseitigkeit weiter unter Beweis stellen. Die „Holy Visions“ etwa, vorgetragen von fünf Frauenstimmen, hatten nun wieder eine ganz andere Handschrift. Mittelalterliche Klänge treffen Avantgarde, inspiriert von Hildegard von Bingen. Mit zwei seiner wichtigsten und populärsten Bands, „Dreamers“ und „Electric Masada“ beendete John Zorn einen eindrucksvollen Festivaltag, der auch von sieben einzelnen Bands nicht abwechslungsreicher hätte gestaltet werden können und der von der Kunststiftung NRW bezuschusst und ermöglicht wurde.

Beeindruckend allerdings auch die Wetterfestigkeit des Moerser Publikums. Es hätte wahrscheinlich schneien können, und die Camper wären angerückt. Jedenfalls ist auf den Wiesen rund ums Festivalzelt viel los, als wollten sie alle noch ein letztes Mal dabei sein, bevor es nächstes Jahr in die Halle und ans Solimare geht. Zwar soll dort auch in einem Wäldchen zwischen Bettenkamper Meer und Solimare das Zelten möglich gemacht werden, aber wer weiß schon, wie da die Stimmung sein wird.

Erfreulich auch die gute Resonanz auf die „Nachtstimmen“, die trotz der Kälte in der vergangenen Woche viele Zuhörer fanden.

Heute macht im Zelt um 15 Uhr „The Dorf“ erneut seine Aufwartung und eröffnet den zweiten Festivaltag.

 
 

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