Diskutieren ohne Schonhaltung

Am Mittwoch 11.09.2013, Direktkandidaten zur Bundestagswahl aus dem Wahlkreis 114 bei Podiumsdiskussion - Thema Jungwähler fragen, Politiker antworten im Berufskolleg für Technik in Moers. Im Bild: links Wagner (Die Linke), Schauws (Bündnis 90/Die Grünen) und Ehrmann (SPD). Foto: Markus Joosten / WAZ FotoPool
Am Mittwoch 11.09.2013, Direktkandidaten zur Bundestagswahl aus dem Wahlkreis 114 bei Podiumsdiskussion - Thema Jungwähler fragen, Politiker antworten im Berufskolleg für Technik in Moers. Im Bild: links Wagner (Die Linke), Schauws (Bündnis 90/Die Grünen) und Ehrmann (SPD). Foto: Markus Joosten / WAZ FotoPool
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Moers.  Einem seiner Schüler hätte Schulleiter Josef Nießen vom Berufskolleg für Technik diese nonchalante Entschuldigung für Zuspätkommen wohl nicht so einfach durchgehen lassen: „In meinem Kalender stand 10.45 Uhr, und da wäre ich jetzt pünktlich“, bat FDP-Bundestagskandidat Michael Terwiesche die Schüler in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula bei der Podiumsdiskussion „Schüler fragen, Politiker antworten“ um Verständnis. Für seine Unpünktlichkeit erntete der Moerser Rechtsanwalt an dieser Stelle keine Kritik. Die gab es dann für den Spruch: Alkohol in Maßen sei okay, die Legalisierung von Cannabis aber nicht.

Es war zu spüren, dass den Jugendlichen viele Themen unter den Nägeln brannten, darauf musste sich das Podium von Beginn an einstellen. Allerdings waren nicht alle Gesichter, die derzeit von den Wahlplakaten lächeln, präsent: CDU-Bundestagskandidatin und Lehrerin Kerstin Radomski ließ sich vom Moerser CDU-Fraktionschef Ingo Brohl vertreten, statt Gabriele Kaenders hatte Sascha Wagner für die Linken auf dem Podium Platz genommen, daneben positionierten sich Ulle Schauws von den Grünen und Siegmund Ehrmann, der für die SPD wieder in den Bundestag einziehen will.

Fragen an die Politikerrunde aus dem Plenum gab es mehr als genug: Was tun gegen Prism, was ist mit dem Mindestlohn, wer will welche Steuern erhöhen und wie ist die Haltung zu Homoehe und Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare? Nicht immer klar, dafür aber meist ehrlich, mitunter auch sehr persönlich fielen die Antworten der Politiker aus, die dafür jeweils eine Minute dreißig zur Verfügung hatten.

Konkrete Fragen

„Da kommen mir Bilder aus der USA, wo Schwarze nicht neben Weißen sitzen dürfen“, kritisierte Schauws die ablehnende Haltung der CDU in Sachen Homoehe und Adoptionsrecht. Davon sei sie als Lesbe, die mit ihrer Partnerin eine eingetragene Lebensgemeinschaft habe, auch persönlich betroffen. Siegmund Ehrmann wurde in Sachen Adioptionsrecht direkt: Er habe die Adoption seiner Tochter als Geschenk empfunden und sehe nicht, warum gleichgeschlechtliche Paare diese Aufgabe nicht genausogut bewältigen können. „Das ist meine persönliche Meinung, die ich auch politisch vertrete.“

Zu spüren war aber ab und an auch Politikverdrossenheit auf der Schüler- und Hilflosigkeit auf der Politikerseite: „Einserseits wird immer wieder Fachkräftemangel beklagt, andererseits gibt es zu wenig Ausbildungsplätze – erklären Sie mir den Widerspruch!“ lautete eine ganz konkrete Frage, auf die keiner konkret zu antworten wusste. „Da müssen wir ran“ hieß es quer durch alle Parteien. Das „Wie“ blieb schwammig.

Trotz eines guten Auftritts von Ingo Brohl schienen bei den meisten Schülern im Nachgang die Sympathien eher auf der linken Seite des Podiums gebündelt. Und es gab Kritik an Politikern allgemein „Sie holen uns nicht da ab, wo wir zu finden sind – im Internet.“ Eine Kritik, die auf dem Podium aber keiner so recht nachvollziehen wollte.

Einhellige Botschaft der Politikerrunde am Ende der unterhaltsamen Diskussion: Wählen gehen, sich einmischen und engagieren statt auf dem Sofa sitzen zu bleiben und zu meckern ...

 
 

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