Diese Piraten twittern nicht über Kondome

Am Mittwoch, den 15.11.2012 in Neukirchen / Vluyn. Stammtisch der Piraten - Partei im Gasthof Alt Derp. (r) Jochen Lobnig Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Am Mittwoch, den 15.11.2012 in Neukirchen / Vluyn. Stammtisch der Piraten - Partei im Gasthof Alt Derp. (r) Jochen Lobnig Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
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Neukirchen-Vluyn..  Auf dem Tisch im Alt Derp in Neukirchen liegen viele Zettel. Schnödes Papier. Ausdrucke. Zum Teil sogar mit handschriftlichen Aufzeichnungen. Nur André Landskron hat sein I-Pad mitgebracht. Wenn nicht noch einer der Anwesenden ein Piraten-Shirt tragen würde, wäre es kaum zu bemerken, wer sich hier so emsig über Politik unterhält.

Es ist an jenem Abend fürwahr keine Gruppe von im Internet surfenden und ständig twitternden Hobbypolitikern, die am Stammtisch zusammensitzt. Jeden zweiten Mittwoch im Monat ist der Tisch in der Gaststätte für die Gruppe reserviert. Initiiert hat das Jochen Lobnig, der als Direktkandidat im Wahlkreis 59 für den Landtag kandidiert hatte.

Über Twitter-Nachrichten von geplatzten Kondomen und dergleichen mögen Lobnig und seine Mitstreiter an diesem Mittwochabend nicht sprechen. Als „Fehlverhalten von einzelnen“ wird das abgetan. Es ärgert die Truppe, dass die Twitter-Affäre und ihre Folgen alles andere in den Schatten stellt. Jochen Lobnig und seine Mit-Piraten haben anderes im Blick. Der Bundesparteitag in Bochum steht bevor.

Also berichtet der 55-Jährige über die Flut von Anträgen, die zur Diskussion stehen. Eine befreundete Piratin aus Krefeld erzählt von ihrer Arbeit in der Umweltgruppe und vom Programmantragspapier zum Thema Sondermülldeponie, was mit Blick auf den Eyller Berg auch hierzulande interessiert. Die Fankrawalle in den Fußballstadien sind ein großes Thema. Syrien und der Frieden auch.

Und letztlich wirft Lobnig auch einen Blick auf die Stadt, in der sich die Piraten zum Stammtisch treffen. Auf Georg Grozers Volleyballzen-trumspläne beispielsweise. Für den ersten Piraten am Tisch ist es richtungsweisend, ob der einstige Volleyballstar seine großen Pläne umsetzen kann. Damit stehen und fallen die Pläne für eine weitere Turnhalle, bedeutet er. Sollte Grozers Traum tatsächlich aufgehen, könne die Stadt Hallenzeiten bei ihm mieten und braucht nicht selbst zu bauen, so die Meinung der Piraten. Es wird deutlich: Jochen Lobnig würde mit seinen Parteikollegen auch gerne ein paar Häuser weiter im Ratssaal sitzen, wenn solche Dinge beschlossen werden.

Vorerst aber planen er und seine Mit-Piraten, einen weiteren Stammtisch in Rheinberg einzurichten. Eine Auffrischung täte offenbar auch dem Stammtisch in Moers gut, wo laut Lobnig viele Aktive weggezogen sind.

 
 

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