Die Sprengung war erfolgreich

Sprengmeister Andreas Polivka leistete gestern am „Moerser Topf“ ganze Arbeit. Foto: Volker Herold
Sprengmeister Andreas Polivka leistete gestern am „Moerser Topf“ ganze Arbeit. Foto: Volker Herold
Foto: Waz FotoPool
Der Bunker an der Wiedstraße ist bald Geschichte. Im Bunker erlebte Geschichte finden Sie in der Beschreibung von Erika Vastmanns.

Moers.. Mit dem Bunker, genannt „Moerser Topf“, verschwindet in diesen Tagen an der Wiedstraße in der Innenstadt ein Stück Stadtgeschichte. Der Bunker soll gesprengt werden (wir berichteten), und gestern wurden die ersten Ladungen gezündet. Bis Samstag soll das Bauwerk endgültig in Trümmern liegen.

Aus Sicherheitsgründen abgedeckt durch Gummimatten und Erdreich, gestaltete sich die erste Sprengung gestern um 15 Uhr äußerst unspektakulär. Das Tröten, welches vor der Sprengung warnte, erschien lauter als der unterirdische Knall selbst. Ein leises „Buff“ war zu hören, ein wenig Rauch drang unter einer Matte hervor – das war’s. Dennoch hatte Sprengmeister Andreas Polivka ganze Arbeit geleistet. Michael Stewering, Geschäftsführer der Gelderland Spreng- und Abbruchtechnik, zeigte sich sehr zufrieden. Die fünf Ladungen zu je 200 Gramm Sprengstoff zeigten die gewünschte Wirkung, weshalb die Ladung nicht erhöht wird.

Wilhelm Praest stellte der Redaktion Fotos aus dem Bunkerinneren zur Verfügung. Sogar vom Bau des Bunkers im Sommer 1943 gibt es noch Bildmaterial – das Grundstück befand sich bis vor einem Jahr im Besitz seiner Schwiegereltern, so Praest. Gegenüber dem Eingang gab es einen Notausgang; der Bau war 2,50 Meter hoch, die Wände waren einen Meter dick, der „Topf“ – also die Dachkonstruktion – 1,50 Meter.

Zeitzeugin Erika Vastmanns: Die Angst, lebendig begraben zu sein

Nach unserem ersten Bericht über den Moerser Topf erreichte uns folgende Zuschrift von Erika Vastmanns.

„Es war Ostern 1946. Meine Mutter, mein 14-jähriger Bruder und ich (damals 18-jährig) waren unter dramatischen Umständen aus der Sowjetisch Besetzten Zone und späteren DDR geflohen und in einer Moerser Turnhalle untergebracht. Diese Turnhalle war leider über die Osterfeiertage geschlossen, so dass wir während dieser Zeit auf der Straße standen. Es war fürchterlich kalt, und wir gingen in unserer Verzweiflung zur Polizei und fragten, ob man uns vielleicht solange in einer Gefängniszelle unterbringen könne, was allerdings verboten war.

Einem Polizeibeamten kam die Idee, uns über Nacht in dem besagten Luftschutzbunker „Moerser Topf“ unterzubringen. Er brachte uns also hin und schloss uns die Tür auf. Wir stiegen eine Leiter hinab in den stockdunklen und kalten Raum, in dem Wasser stand und sich die Ratten tummelten. An den Seiten standen mit Sackleinen bezogene Bettgestelle, auf die wir uns legen konnten. Nachdem uns der Polizeibeamte dort untergebracht hatte, verließ er den Bunker und schloss zu unserer eigenen Sicherheit den Bunker von außen ab.

Mir kam der furchtbare Gedanke, dass wir lebendig begraben seien, wenn uns der Polizist vergäße und am nächsten Morgen nicht wiederkäme. In meiner Panik bekam ich einen Schreikrampf, bis meine Mutter mir eine Ohrfeige gab, um mich wieder zur Vernunft zu bringen. Die Strapazen der vergangenen Tage sorgten dafür, dass wir wenigstens zeitweise Schlaf fanden, obwohl die Angst, nie wieder das Tageslicht zu sehen, nie wich. Gott sei Dank hatte der Beamte uns nicht vergessen und ließ uns am nächsten Morgen wieder aus dem Bunker heraus.

Heute bin ich 83 Jahre alt; aber die Angst vor Dunkelheit und Enge ist mir geblieben.“

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen