Die Sache stinkt

Michael Passon

Bumerang Sportzentrum: Natürlich würde Bürgermeister Ballhaus nie Menschenleben gefährden, selbstverständlich muss er sich auf seine Fachleute verlassen.

Die späte Beichte seines Oberbrandschützers Höschen belegt aber, dass sich die Experten alles andere als einig waren. Der Einsatz des Vauth-Gutachtens zeigt, dass Ballhaus seinen Leuten nur bedingt vertraut. Die Sache stinkt. Sie nährt den Verdacht, dass nicht Sicherheit, sondern Begehrlichkeit Grund der Schließung war.

Schon bei der wertungsfreien Chronologie stellen sich die Nackenhaare auf: Den ersten Widerspruch lieferten sich der Beigeordnete Hans-Gerd Rötters, der am Rande des Sportausschusses die potenzielle Schließung bekanntgab, und die Städtischen Betriebe, die das Sportzentrum kurz zuvor vom Rötters-Dezernat übernommen hatten. Die Anlage sei sicherer als vor dem „Besitzer“-Wechsel, erklärte die städtische Tochter. Dann befand Ballhaus den Zustand zunächst als weiterhin in Ordnung, Rötters aber warnte die Schulleiter, die Kinder nicht mehr ins Sportzentrum zu schicken. Das wird schließlich Ende April über Nacht dicht gemacht, Ballhaus sieht plötzlich Gefahr für Leib und Leben. Zu diesem Zeitpunkt weilen Dezernent Wusthoff und Höschen, die offenbar komplett andere Meinungen vertraten, in Urlaub. Pikant: Hinter den Kulissen tobte eine Gutachten-Schlacht um die Verantwortung, bei der Ballhaus das ominöse Vauth-Papier ins Rennen warf.

So weit, so schlecht. Wie das Krisenmanagement, das darin gipfelte, dass Claus-Peter Küster als Moerser Bürger 20 Fragen zur Schließung an die Verwaltung stellen musste, weil er sie als FBG-Chef nicht beantwortet bekam. Und auch die spärlichen Antworten mussten über das Informationsfreiheitsgesetz via Bezirksregierung erzwungen werden. Eine Frechheit.

Die Verwaltung hat systematisch Misstrauen geschürt; wenn sie heute von Transparenz spricht und Martin Höschen via städtischer Homepage als Märchenonkel darstellt, ist das blind bis hilflos. Nebenbei: Auch Moers oberster Brandschützer hat offenbar drei Jahre lang wider besseren Wissens den Deckel auf der Sache gehalten. Der sprichwörtliche Allerwerteste in der Hose sieht anders aus. Aber: besser spät als nie.

Die Optionen: Sollte der Aufschrei, insbesondere der Ampel-Fraktionen, mehr als politisches Geklapper sein, entscheidet sich der Rat im Oktober für die Akteneinsicht. Dann endet das Thema entweder im endgültigen Fiasko für Ballhaus und Rötters. Weil die schnelle Schließung tatsächlich die einzige Chance war, das Prestige-Projekt Solimare 2.0 zu verhindern und lieber im Land der mächtigen SPD Rheinkamp noch eine moderne Sportarena hochzuziehen, bevor der Haushalt zusammenbricht.

Oder es wird ein für alle mal beigelegt, Moers hat schließlich genug Baustellen.