Die Kunst soll Niederberg erobern

Gabi Gies
Künstler Felix Droese vor seiner Installation „Hamburg-Zuerich vorwaerts" auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn. Foto. Roland Krause
Künstler Felix Droese vor seiner Installation „Hamburg-Zuerich vorwaerts" auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn. Foto. Roland Krause
Foto: NRZ

Neukirchen-Vluyn. Die Seewerk-Macher Angelika Petri und Frank Merks haben neue Pläne und ein zweites Domizil.

Der große Container auf dem ehemaligen Niederberg-Gelände sieht aus wie ein Überbleibsel aus alten Zeiten. Dabei taugt das kürzlich in Neukirchen-Vluyn gelandete Kunstobjekt „Hamburg – Zürich vorwaerts“ von Felix Droese prächtig als Symbol für neue Zeiten in der ehemaligen Zechenstadt: Die Seewerk-Macher Angelika Petri und Frank Merks haben auf der Brache ein ehemaliges Kohlewaschwerk samt Teilgelände drumherum gekauft. Das zehn Meter hohe Indus­triegebäude könnte demnächst Kernstück einer neuen Kunstkolonie werden. Eine denkbare erste Attraktion: die Droese-Installation.

Wohin mit einem Riesenkunstobjekt, wenn es (noch) keinen Platz in einem Museum oder im öffentlichen Raum hat? Als Dauerleihgabe hat der renommierte Künstler Felix Droese, der unter anderem einst mit seiner Aldi-Kunst für Furore sorgte, den Kunst-Container in Neukirchen-Vluyn hinterlassen. Und als Dauerleihgaben warten auch am Seewerk zahlreiche Kostbarkeiten auf einen Platz in einem Skulpturenpark. Einen solchen soll es nun nicht nur wie geplant in Kapellen geben, auch in Neukirchen-Vluyn soll auf dem bewaldeten Außengelände hin zum Bendschenweg Platz für Installationen und Objekte geschaffen werden. „Wir können gar nicht anders“, so Angelika Petri. „Die Stadt hat uns signalisiert, dass unsere Pläne gut vorstellbar sind.“

„Klärwerkstatt“ als
Zwischenlager

Ursprünglich war die „Klärwerkstatt“, so der Arbeitstitel, als Zwischenlager für das Lebenswerk der Künstlerin Irmin Kamp gedacht. Aber schnell wurde klar, dass auf diesem Areal mehr möglich ist. Im Inneren des ehemaligen Lineg-Gebäudes hat sich das Künstlerehepaar schon mal provisorisch eine kleine Werkstatt eingerichtet. Bis die Pläne von Ausstellungshalle, Bildhauerwerkstatt samt Gießerei und Möglichkeiten für Glasfusing und Plexiglasverarbeitung Wirklichkeit geworden sind, wird noch Zeit ins Land gehen. Angedacht ist außerdem, zwei unter Denkmalschutz stehende ehemalige Pförtnerhäuschen der Zeche Niederberg dazuzukaufen. Dort könnten Wohnateliers entstehen, in denen junge Künstler aus aller Welt in temporären WGen zusammen leben, zusammen arbeiten und zusammen ausstellen.

„Hier wird so viel Neues entstehen und es wäre toll, wenn überall die Kunst mit dabei wäre“: So lautet Angelika Petris Vision von dem gesamten Niederberg-Areal. Sie träumt davon, in oder an jedem neu gebauten Gebäude ein künstlerisches Element zu integrieren, der neu entstehenden Siedlung „ein eigenes Profil“ zu geben. „Es könnte Vorschläge von Künstlern geben, so dass Hausbesitzer unter verschiedenen Dingen auswählen können.“

Der Kunst-Container soll in Absprache und gemeinsamer Arbeit mit Felix Droese demnächst einen neuen Anstrich bekommen. Auch sein Interieur, ein altes hölzernes Rettungsboot, will Merks mit mehr Lichteinfall besser sichtbar machen.

Dass sie das neue Projekt nicht ganz ohne Hilfe stemmen können, ist dem Künstlerehepaar bewusst. Der Kauf aber, so Merks, war wohlüberlegt: „Es ist einfach bedauerlich, wenn man bestimmte Sachen nicht machen kann, weil der Platz nicht ausreicht.“ Der aber ist nun reichlich vorhanden.

Dass Angelika Petri und Frank Merks große Projekte verwirklichen könne, haben sie am Silbersee gezeigt. Das Seewerk hat sich als Hort für zeitgenössische Kunst längst überregional einen Namen gemacht, im nächsten Jahr wird es nun auch zum Hauptspielort für die Niederrheinische Kunst-Biennale. Vielleicht kann dann ja bereits ein erster zarter Ableger auf Niederberg blühen.