Der Joe Cocker vom Niederrhein

Horst Gerhardt.
Horst Gerhardt.
Foto: WAZ FotoPool

Rheurdt..  Auch musikalische Talente hat das Ökodorf zu bieten. Wie den Pädagogen Horst Gerhardt. Der 58-jährige Gesamtschullehrer lebt seit 1989 in Rheurdt und entdeckte schon früh seine Liebe zum Blues. Und zwar beim CVJM, wo er im Neukirchen-Vluyner Eichenkreuzheim – bis heute ein Begriff in der Jugendarbeit – Gitarre spielen lernte. „Da war ich 13, 14 Jahre alt“, erzählt er. Heute ist Horst Gerhardt als Sänger bekannt für seine raue Stimme, die ihm den Spitznamen Joe Cocker vom Niederrhein beschert hat.

Die eigene Schülerband

Gespielt hat er – in verschiedenen Besetzungen – schon fast überall in der Region. Zuletzt in der Gaststätte Zur Post in Rheurdt, wo er sein Bühnenjubiläum mit Fans und Freunden feierte.

Der Adolfiner-Schüler, der in Hülsdonk wohnte, gründete nur wenig später seine eigene Schülerband. „Wir waren fünf. Nach dem Vorbild der Stones und Beatles.“ Im Jugendheim in Eick wurde sehr fleißig und nicht weniger laut geprobt. „Da gab’s damals schon eine Verstärkeranlage“, erinnert sich der Rheurdter. Und: „Der Schlagzeuger wurde sauer, weil ich nie den Einsatz fand“, erinnert sich Gerhardt heute an die Probenzeit. Schon damals gab’s kleinere Auftritte bei Schulfesten und im Jugendheim.

Über das Landfermann Gymnasium Duisburg kam Gerhardt als Lehrer nach Moers. „1988 gab es wieder eine Band.“ Unter anderem waren da Thomas Staats und Franz Schwarz, zwei alte Weggefährten, mit dabei. Schnell wurden die Musiker bekannt in der Region.

Sie traten in Moerser Gaststätten auf, im Tennisclub, bei Schulveranstaltungen. Anfang der 90er Jahre dann die Gründung der Gruppe „Roots of Blues“, die sich ganz auf Bluesmusik konzentrierte. „Wir haben aber auch eigene Stücke gespielt.“

Zu den größten Auftritten der Band gehörte die Bluesnacht im Schwarzen Adler in Vierbaum 1992. „Wir habe eine Single veröffentlicht, 1994 dann eine CD.“ Das waren heiße Zeiten. Über den ganzen Niederrhein bis ins Ruhrgebiet und nach Holland ging es zu den Auftritten.

Mit Soloprojekt unterwegs

Überhaupt, dem Sprössling war die Liebe zu den schönen Künsten in die Wiege gelegt. „Opa war künstlerisch sehr begabt und malte auch nebenher. Mutter konnte als Schneiderin gut zeichnen, und Opa spielte auch Gitarre“, berichtet der Rheurdter. Mit einem Musikstudium habe er tatsächlich zeitweise geliebäugelt. „Aber dafür hätte ich ein zweites Instrument lernen müssen.“ Was er wirklich bereut: „Dass ich nicht Klavierspielen gelernt habe.“

Bei so viel erblicher Vorbelastung hatte es auch die Malerei dem jungen Horst angetan. „Früher hab ich viel gemalt, heute ist mein Hobby eher die Musik.“ Im Schwarzen Adler hatten er und Franz Schwarz bereits eine Ausstellung. Kein Wunder, bei den Begabungen, dass Horst Gerhardt sich im Lehramtsstudium für die Fächer Kunst und Deutsch entschieden hat. Viel Freude macht ihm bis heute die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an der Schule. „Gerade hab‘ ich den Blues für mich wieder entdeckt“, sagt er.

Mit einem Soloprojekt ist er unterwegs, tritt mit einem Freund auf. „Wir spielen die Lieblingssongs aus den letzten 50 Jahren.“

Seit die beiden Söhne erwachsen sind, geht Horst Gerhardt mit seiner Frau Manuela und den beiden Hunden gern per Wohnwagen auf große Fahrt. „Wir waren schon in halb Europa. Ich glaube, unsere Hunde sind die am weitesten gereisten, die es gibt“, sagt der Künstler vom Niederrhein.

 
 

EURE FAVORITEN