Den Leuten in Moers einen Spiegel vorhalten

Einer von fünf Till Eulenspiegel
Einer von fünf Till Eulenspiegel
Foto: Ulla Michels
100 Schüler von fünf OGS brachten Variationen der berühmten Till Eulenspiegel Geschichten auf die Bühne der Festivalhalle. Mit Musik, Regie, einem Filmteam viel Logistik und ein wenig Chaos

Moers..  Belege für das Leben und Wirken von Till Eulenspiegel beschäftigen die Fachleute bis heute. Braunschweig, Nürnberg und Mölln tauchen in den Erzählungen häufig auf, Moers eigentlich nie. Auch wenn die historische Person umstritten sein mag, der umherstreifende Schalk verzaubert nach wie vor Generationen von Kindern mit seiner Art, bildliche Redewendungen wörtlich zu nehmen.

Dass sich das mittelalterliche Treiben auch wunderbar auf die Zukunft und den Niederrhein übertragen lässt, haben rund 100 Grundschüler im vergangenen Jahr in der offenen Ganztagsbetreuung gelernt und am Mittwoch Abend eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. Der sci:moers hat gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendtheater des Schlosstheaters Moers und den Jungen und Mädchen von fünf verschiedenen offenen Ganztagsgrundschulen monatelang auf diesen Abend hingearbeitet.

Auf den ersten Blick vor allem eine riesige Logistikaufgabe: rechts flöten Kinder auf ihren Blasinstrumenten unter Leitung von Anna Schweinfurth von der Musikschule Moers. Links auf der Bühne sitzen in Stuhlreihen die Kinder, die aktuell nicht an der Reihe sind. Auf der Bühne schnelle Dialog- und Kostümwechsel und jene Menschenmenge auf dem mittelalterlichen Markt ist auch tatsächlich von einer ganzen Kinderschar dargestellt. „Vielen Dank, dass Sie sich alle bei unserem Statisten-Casting beworben haben,“ begrüßt Regisseurin Svenja von der Dorsterfeldschule die stolzen Eltern, Großeltern und Geschwister und macht das Publikum zur lebenden Geräuschkulisse. Auf Schildern werden Anweisungen wie „Applaus,“ „Till rufen!“ oder auch „Furzgeräusche“ erteilt. Um das gewünschte Chaos perfekt zu machen, tauchen an dem inszenierten Filmset noch verirrte Schauspieler auf, die eigentlich ganz woanders hin wollen und mit der Geschichte gar nichts zu tun haben. Dazwischen springen Kameraleute und halten mit ihren Pappgeräten voll drauf.

Zwischen den Szenen kommen Anweisungen „vom Chef“, die Begebenheiten jeweils in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort zu bringen. So übertrug die Regenbogenschule die Geschichte von der Heilung der Kranken in die Sprache der Kinder von heute und Till (hier gespielt von Marie) kassierte statt Talern und Goldstücken satte 200 000 Euro für einen neuen Porsche ab.

Ins Hier und Heute übertragen heißt aber nicht nur, dass es auf den gemalten Kulissenbildern, die mittels Beamer an die Wand projektiert werden, eher „Backshops“ statt einen Bäcker auf dem Markt zeigen. Und wenn es in Moers keine Bienenstöcke mehr gibt, schläft der angetrunkene Narr halt in einem Safe der Bank und die Räubersleut’ sind ganz harte Jungs, die auf Namen wie „Crazy Eight“ oder MC Nico“ hören und von irgendwo taucht dann auch noch Kim Kardashian auf. Eulenspiegel hätte an dem Tumult sicher seine Freude gehabt.

 
 

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