Das Steigerlied mit Tränen

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Kamp-Lintfort.. Etwas mehr als einen Kilometer maß die Strecke des Festumzuges zum „1. Tag des Bergmanns“ von der Lohnhalle des Bergwerks West bis zum Prinzenplatz. Knappenchöre von Kevelaer bis Dinslaken, von Nieukerk bis Duisburg waren vertreten. Anlass war die zum Ende des Jahres feststehende Schließung des Bergwerks West, der letzten Zeche am linken Niederrhein. Johannes Hartmann, Ringsprecher der Knappenvereine am Niederrhein, war Organisator des Festaktes. „Wir hatten die Idee, einen Tag des Nichtvergessens zu veranstalten.“

Etwa 200 Knappen folgten der Einladung, darunter das Rheinpreußen-Orchester und der Musikzug Kamp-Lintfort. Die Grubenwehr Bergwerk West sicherte den Zug, Bergdirektion, lokale Politiker, Rotes Kreuz und Polizei waren vor Ort. Bürgermeister Christoph Landscheidt überzeugt die Idee des Bergmannstags. Leider habe der 1. Mai als Tag der Arbeit schon an Zulauf verloren, aber vielleicht könne sich ein Bergmannstag hier etablieren. „Ich habe keine Sorge, dass der Bergbau in dieser Stadt in Vergessenheit gerät.“

Rund 100 Bürger hatten sich am Startpunkt Lohnhalle eingefunden. „Wir machen heute praktisch Vater-und-Sohn-Tag“, erklärte Atila Cikoglu, Moerser SPD-Ratsmitglied. Er war mit seinem Vater gekommen, der 30 Jahre auf der Zeche Pattberg gearbeitet hat, und sagt: „Schön, dass die Tradition weitergeführt wird.“ Ismail Zengül findet: „Die könnten so etwas ruhig öfter machen.“

An der Christuskirche wurde der Festzug von den Chören Niederberg und Friedrich-Heinrich begrüßt. „Beim Steigerlied kullern auf jeden Fall die Tränen“, erklärte Christiane Brodermann. Für sie und ihren Mann war dies der Abschied von der Zeche, auf der Klaus Brodermann seine letzten 25 Arbeitsjahre verbracht hat. „Das Soziale war immer das Besondere, der Zusammenhalt. Hoffentlich bleibt auch möglichst viel von den schönen Gebäuden erhalten.“

Auf dem Prinzenplatz mahnte Industriepfarrer Jürgen Widera den weiteren Zusammenhalt der Region an: „Der Kampf für soziale Gerechtigkeit ist noch lange nicht zu Ende.“

Als Abschluss der Veranstaltung spielte, nach zwölf Jahren der Trennung, die bekannte Band „Virus D“, die schon einmal Kamp-Lintfort begeistert hat. Zum Titel ihrer Rockrevue „Erst stirbt die Zeche, dann stirbt die Stadt“ klärte Frontmann Torsten Schmidt allerdings im Vorfeld darüber auf: „Das wollen wir so ja doch keinem wünschen. Und es hat sich Gott sei Dank noch nirgends in letzter Konsequenz bewahrheitet.“

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