Das Kreuz mit den Statistiken

Harry Seelhoff

Moers.  Mit Statistiken ist das so eine Sache. Manche behaupten scherzhaft, man dürfe nur der trauen, die man selbst gefälscht habe. Auf jeden Fall muss man sich eine Statistik, auf der politische Anträge beruhen, genau ansehen. So wie den „Kinderunfallatlas“ der Bundesanstalt für Straßenwesen.

FBG-Chef Claus Peter Küster nahm diese Statistik zum Anlass, eine städte- und kreisweite Initiative zur Senkung der Kinderunfallzahlen, insbesondere der der radfahrenden Kinder, zu fordern. Moers, so Küster, „schneide nicht so gut ab“. In der Tat: Nimmt man die Unfälle radfahrender Kinder pro 1000 Kinder, so landet Moers auf Platz 64 von 65 in der Kategorie Großstädte von 100 000 bis 500 000 Einwohnern. Legt man indes die konkrete Zahl der Unfälle zu Grunde, so steht Moers besser da als beispielsweise Mannheim, das auf Platz 20 liegt. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass in dieser Statistik alle Unfälle von 2006 bis 2010 addiert wurden.

Und noch ein Mammut-Gremium

Küster fordert eine Initiative, an der sich Städte und Kreis, Polizei, Kreis-Verkehrswacht, alle Bildungseinrichtungen, Fahrschulen, ADFC, ADAC, ACE, Zweiradhändler sowie fraktionsübergreifend die politischen Gruppierungen beteiligen sollen – ein Mammut-Gremium. Da wollte sich die Fraktion der Linken nicht lumpen lassen und legte nach: Man begrüße die Initiative, „da sich in Moers insbesondere die Unfälle mit radfahrenden Kindern häufen“, und setzt politisch noch einen drauf, indem man der Stelle des Fahrradbeauftragten nachtrauert. Man beachte: Aus „schneidet nicht gut ab“ wurde „häufen“.

Die Grünen wollten in Sachen Kinderunfälle nicht hintanstehen und beantragen, die Polizei möge im Planungsausschuss (ASPU) einen Vortrag zur Kinderunfallstatistik in Moers halten, denn der ASPU könne „mit seinen Beratungen und Entscheidungen zur Verbesserung der Sicherheit der Kinder auf dem Fahrrad in erheblichem Maße beitragen“. Die Polizei hat der Redaktion diese Statistik bereits geliefert. Die Zahl der verunglückten Kinder (schwer verletzte in Klammern) betrug 28 (5) in 2008, 22 (2) in 2009, 16 (2) in 2010, 27 (3) in 2011 und 19 (-) in 2012.

Die Zahl ist in den letzten vier Jahren somit gesunken, nicht gestiegen. Die Polizei betont ausdrücklich, dass die Verhinderung von Unfällen mit Kindern seit Jahren oberste Priorität genießt und dass man alle nur erdenklichen Maßnahmen getroffen hat und treffen wird.

Die Stadt Moers erklärte auf Anfrage, man stehe für einen Runden Tisch gern zur Verfügung, wenn es darum ginge, Kinderleben zu retten, gibt aber zu bedenken, dass man in den letzten Jahren viel getan habe.