Das Ende des Kirchenasyls in Kamp-Lintfort

Harry Seelhoff
Kirchenasyl in der Josefskirche.
Kirchenasyl in der Josefskirche.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
Einem 35-jährigen Nigerianer wurde in St. Josef Schutz vor der drohenden Abschiebung angeboten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge respektiert dies nicht.

Kamp-Lintfort.  Der Mann aus Nigeria ist 35 Jahre alt, verheiratet und Vater einer zehnjährigen Tochter. Er ist das, was man einen Wirtschaftsflüchtling nennt, kam nach Deutschland, um Geld für den Unterhalt seiner Familie zu verdienen. In St. Josef bot man ihm Schutz vor der Rückführung nach Italien an. Doch das Kirchenasyl wird vom zuständigen Bundesamt nicht respektiert: In der Nacht zu heute soll der Nigerianer aus dem Gotteshaus geholt und nach Italien abgeschoben werden, so die bis Redaktionsschluss bekannte Planung.

Dass der Nigerianer, der aus Furcht vor Repressalien weder genannt oder fotografiert werden will, ein Wirtschaftsflüchtling ist, stellt Rainer Klotz vom Verein Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort nicht in Abrede. Es ist der Gemeinde und den Vereinsmitgliedern schlicht gleichgültig, ob ein Mensch vor Folter oder Hunger aus der Heimat flieht. Klotz: „Er befindet sich seit fünf Wochen im Kirchenasyl.“ Pastor Karl Josef Rieger, so berichtet Rainer Klotz, fand den Kontakt zu dem Nigerianer, der die Gottesdienste in St. Josef besuchte, und bot ihm Kirchenasyl an.

Würde der Nigerianer bis zum 11. August in Deutschland bleiben können, müsste sein Asylantrag hier bearbeitet werden – so erfolgt nun die Rückführung nach Italien, wo der Mann nach seiner Flucht zuerst europäischen Boden betrat.

Die Entscheidung, das Kirchenasyl zu brechen, verantwortet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg; die Ausführung obliegt der Ausländerbehörde des Kreises Wesel. Mit Bestürzung, sagt Rainer Klotz, habe er gestern die Mitteilung erhalten, dass der Mann nach Italien abgeschoben werden soll: „Dort erwartet ihn Obdachlosigkeit und Perspektivlosigkeit.“

Wie der Kreis Wesel auf Anfrage mitteilte, gebe es eine bundesweite Verabredung zwischen Bundesamt und Kirchen. Im Kamp-Lintforter Fall sei das Generalvikariat in Münster eingeschaltet worden; dort habe man keine Gründe gesehen, die eine Rückführung des Nigerianers hätten verhindern können, so Kreispressesprecher Gerd Patzelt.

Dieser Sichtweise mag man sich in St. Josef nicht anschließen. Rainer Klotz: „Immer mehr Leute haben sich angekündigt. Wir müssen die Nacht abwarten.“ Viel Hoffnung bleibt indes nicht in St. Josef.