Das Ehepaar Klotz engagiert sich in der Flüchtlingshilfe Kamp-Lintfort

Erste Bilanz und Ausblick des Vereins Flüchtlingshilfe Kamp-Lintfort. Jennifer und Rainer Klotz vor den neuen Räumen im Diesterweg-Forum.
Erste Bilanz und Ausblick des Vereins Flüchtlingshilfe Kamp-Lintfort. Jennifer und Rainer Klotz vor den neuen Räumen im Diesterweg-Forum.
Foto: Christoph Karl Banski / FUNKE Fo
Ihr Verein zieht im Herbst mit einem multimedialen Lernzentrum ins Diesterwegforum in Kamp-Lintfort. Dort können Flüchtlinge an PCs ihre Sprachkenntnisse vertiefen.

Kamp-Lintfort..  Wenn jemand Rainer und Jennifer Klotz im letzten Jahr prophezeit hätte, sie würden im Frühling einen Verein gründen, hätten die beiden vermutlich laut gelacht. „Das ist eigentlich so gar nicht unser Ding“, sagt Jennifer Klotz vom Verein „Integration.Flüchtlinge.Kamp-Lintfort“. Dass die beiden Kamp-Lintforter seit April nun doch „Vereinsmeier“ sind und gerade einen Mietvertrag im Haus der Vereine im Diesterweg-Forum unterschrieben haben, liegt eigentlich nur daran, dass sie ihren Teil dazu beitragen wollten, damit Flüchtlinge in Kamp-Lintfort besser Fuß fassen können. Ab Herbst will der junge Verein nun unter anderem an der Vinnstraße ein multimediales Lernzentrum für Flüchtlinge aufbauen.

Guter Wille reicht nicht

Als Anfang des Jahres deutlich wurde, dass immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland – und damit auch nach Kamp-Lintfort kommen – war für die 44-Jährige und ihren Mann schnell klar: „Wir wollen in unserem Rahmen helfen.“ Als dann auf einem von der Stadt initiierten Informationstreffen nach Freiwilligen gesucht wurde, die die Koordination der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe vor Ort übernehmen könnten, fackelten die beiden nicht lange. „Das schaffen wir, haben wir uns gedacht“, erzählt Jennifer Klotz, die als Schulsozialarbeiterin an einer Duisburger Grundschule auch beruflich viel mit Flüchtlingen zu tun hat.

Der gute Wille allein bringt dabei nicht viel, wussten Rainer und Jennifer Klotz von Anfang an. Sie recherchierten, wie man ein solches Projekt am besten auf solide Füße stellt, besuchten dafür unter anderem Seminare bei der Flüchtlingshilfe in Bochum. Und dabei wurde schnell klar: Erst müssen Strukturen geschaffen werden, dann kann man anfangen, sinnvolle und effektive Hilfe aufzubauen. Eine der ersten Maßnahmen also: die Vereinsgründung – „natürlich auch, um über die Gemeinnützigkeit an Fördergelder zu kommen oder um Spendenquittungen ausstellen zu können“, sagt Rainer Klotz.

Mit „Bake the world a better place“ – einer Kaffeetafel vor der Flüchtlingsunterkunft an der Friedrichstraße, um Kamp-Lintforter mit ihren Neubürgern ins Gespräch zu bringen – starteten sie eine erste Aktion. Inzwischen bieten sie alle zwei Wochen vor der Unterkunft Beratung an und haben auf ihrer vereinseigenen Internetseite ein Diskussionsforum geschaffen, auf dem sich ehrenamtliche Helfer austauschen können. Mittlerweile gelingt es schon besser, die ehrenamtliche Hilfe effektiver zu gestalten. „Die Helfer von ,Welcome’ aus der St. Josef-Gemeinde etwa kümmern sich schwerpunktmäßig um Kleider- und Möbelspenden – das klappt prima. Unsere Schwerpunkte sind Beratung, Hilfen bei der Wohnungssuche, zusätzliche Angebote, um die Flüchtlinge ins Stadtleben einzubeziehen und künftig eben das multimediale Lernzentrum,“ sagt Rainer Klotz, der in seinem Beruf als Fachinformatiker hier seine ganze Erfahrung einbringen kann.

Wenn das Haus der Vereine im Herbst seine Türen öffnet, soll es auch mit dem Lernzentrum losgehen. Durch Spenden verfügt der Verein bereits über zehn Computer. Geplant ist, den Flüchtlingen zu ermöglichen, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen und sich weiterzubilden. Aber auch, ihnen Zugang zum Internet zu verschaffen und so die Kommunikation mit ihrer Familie zu erleichtern. Der für rund 2000 Euro im Jahr angemietete ehemalige Klassenraum im Haus der Vereine soll außerdem mit einer Küchenzeile ausgestattet werden und nicht nur als Vereinsraum, sondern auch als Café und Büro dienen.

Etwas zu tun

Was den Flüchtlingen in Kamp-Lintfort am meisten fehlt? „Ansprache, Beschäftigung, etwas zu tun“, sagt Rainer Klotz. Was für die Helfer schwierig bleibt? „Es ist nicht immer leicht, einen Zugang zu finden“, hat Jennifer Klotz erfahren. Mit dem 25-jährigen Ali, einem Flüchtling aus dem Irak, ist es den beiden gelungen, einen guten Kontakt aufzubauen. Wenn das Lernzentrum einmal angelaufen ist, hoffen sie auch, Flüchtlinge wie Ali aktiv einbinden zu können. „Es wird sicher eine Anlaufzeit brauchen“, glaubt Jennifer Klotz, „da darf man sich nicht entmutigen lassen.“

„Zur Zeit ist es in Kamp-Lintfort ziemlich ruhig, offensichtliches Mobbing gegen Flüchtlinge gibt es hier meines Wissens nicht“, sagt Jennifer Klotz mit Blick auf Attacken gegen Unterkünfte in anderen Städten. „Aber hier geht es den Menschen ja auch noch nicht an ihre Turnhallen.“ Die nächste Zeit, ist sie sich sicher, wird aber auch für Kamp-Lintfort, wo die Stadt mittlerweile Flüchtlinge in den Bunten Riesen unterbringt, nicht einfacher. „Flüchtlingshilfe – das sind wir alle“, sagt Jennifer Klotz.

 

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