Da waren’s plötzlich zwei...

Klara Helmes
Frühstück bei den Grafs: Horst und Barbara mit ihren Kindern Besufekad und Joshua.Foto: Bernd Lauter
Frühstück bei den Grafs: Horst und Barbara mit ihren Kindern Besufekad und Joshua.Foto: Bernd Lauter
Foto: WAZ FotoPool
Erst wollte es bei den Grafs gar nicht mit dem Nachwuchs klappen. Als die Adoption durch war, meldete sich Joshua an.

Am Niederrhein. Welche Familie kann schon von sich behaupten, innerhalb von drei Monaten zwei Kinder bekommen zu haben? Die Grafs können das. Ihr Besufekad (7) kam im Sommer aus Äthiopien zu ihnen und nur drei Monate später erblickte Joshua, heute zwei Jahre, das Licht der Welt. Schwupp, da waren sie zu viert.

Wie viele Hebel sie in Bewegung gesetzt haben, wie groß die Anstrengungen waren, um endlich ein Kind zu bekommen, können die Grafs kaum erzählen. Fast alle Eltern in der Selbsthilfegruppe Traumkind in Neukirchen-Vluyn haben Jahre voller Enttäuschungen hinter sich. Am Ende aber gab’s für viele Paare ein Happy End: Es stellte sich wider Erwarten doch noch Nachwuchs ein. Und zwar oft, nachdem sie ein Kind adoptiert hatten.

Inzwischen besteht die Gruppe Traumkind zehn Jahre. „Rund 40 Paare kamen seither zu den Treffen“, schildert die Neukirchen-Vluynerin Kerstin Petri, Gründerin der Gruppe. „Bis auf fünf Paare haben alle anderen ihr Wunschkind bekommen.“

Tatsächlich war es auch bei der Gründerin so. „Ich hatte bereits ein Adoptivkind, als sich bei uns Nachwuchs einstellte. Obwohl das medizinisch angeblich gar nicht mehr möglich war.“ Die Idee, die Gruppe Traumkind zu gründen, sei ihr gekommen, weil sie sich im Bekanntenkreis oft unverstanden gefühlt habe. „Wie oft man auf die Kinderlosigkeit angesprochen wurde... Ob wir denn nicht langsam ,welche’ haben wollten... Das war schon deprimierend.“

Aber auch eine Adoption ist nicht leicht. „Bei uns hat es sieben Jahre gedauert“, sagt Kerstin Petri. Barbara Graf (47) hätte in Deutschland wegen ihres Alters gar kein Adoptivkind bekommen. „Deshalb haben wir über den Evangelischen Verein für Adoptions- und Pflegekindervermittlung in Düsseldorf ein Kind im Ausland gesucht“, schildert die zweifache Mutter, die aus Uerdingen zu den Treffen kommt. Jahre voller Enttäuschungen lagen da hinter den Grafs. „Wir haben es viele Male vergeblich mit künstlicher Befruchtung versucht.“ Dann der Papierkrieg und die viele Lauferei für die Adoption in Äthiopien. „Aber das haben wir gern in Kauf genommen.“

Da musste ein zweites Bettchen her

Endlich waren die Papiere in Äthiopien. Das deutsche Paar konnte nichts mehr tun, als auf das Kind zu warten. „Das Kinderzimmer war fertig. Da haben wir noch Urlaub in Tschechien gemacht.“

Um es kurz zu machen: Barbara Graf kam aus dem Urlaub zurück und war schwanger. „Ich dachte erst, ich bin schon in den Wechseljahren“, berichtet die Mutter lächelnd. Im Kinderzimmer musste ein Doppelstockbett her.

Auch bei der evangelischen Vermittlungsstelle kannte man wohl das Phänomen, dass sich mit einem Adoptivkind oft auch leibliche Kinder einstellen. „Sie hatten uns gesagt, wir sollten besser während der Wartezeit auf die Adoption verhüten...“

Was tun – das Adoptivkind war fast schon auf dem Weg, Fotos gab’s auch, ein netter, lebhafter Waise mit Namen Besufekad, den heute alle nur Besu nennen. Und die Schwangerschaft nahm ihren Lauf. Da trafen die Grafs eine schöne Entscheidung: „Wir wollten unseren Besu aus Äthiopien unbedingt. Auf keinen Fall wollten wir die Adoption absagen.“ Aus Furcht, die Vermittlungsstelle könnte sie von der Liste streichen, sagten die Grafs nichts von der Schwangerschaft. Am 18. Juli vor zwei Jahren kam Besu in Frankfurt an, am 30. September wurde Joshua geboren. Rekord: Doppelmutter in drei Monaten!

Kerstin Petri lächelt: „Jede Geschichte in unserer Gruppe ist anders.“ Barbara Graf, ebenfalls aktiv in der Selbsthilfe: „Das ist das Geheimnis des Traumkind-Erfolges, jeder muss seinen Weg finden.“ In letzter Zeit habe es eine regelrechte Babyschwemme in der Gruppe gegeben. Allerdings, und auch das sei ein Weg: „Es gibt auch Eltern, die hier bei uns Abschied vom Kinderwunsch nehmen und auch nicht adoptieren wollen. Es ist nicht leicht, aber auch sie kommen klar mit ihrer Entscheidung.“

Selbsthilfe - Traumkind

Die Treffs der Selbsthilfegruppe Traumkind finden ab Februar jeden ersten Mittwoch im Monat im Gemeindehaus in Moers-Utfort, Wienbergshof, von 19 bis 21 Uhr statt. Kontakt ist möglich unter Tel. 02845 / 291313 oder unter www.traumkind-moers.de.