Bücher aus dem Feuer: Ein langer und lebendiger Leseabend

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Moers..  „Und im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster-feierlichem Pomp verbrannt.“ So erinnerte sich Erich Kästner, der mit ansah, wie seine Bücher – und die von 24 Kollegen – an jenem 10. Mai vor achtzig Jahren in Flammen aufgingen. Mit diesem Augenzeugenbericht eröffnete Schlosstheater-Intendant Ulrich Greb den langen Leseabend „Bücher aus dem Feuer“, zu dem die Initiative „Wir sind bunt, nicht braun“ und das Schlosstheater aufgerufen hatten.

Die Moerser ließen sich nicht lange bitten. Beinahe 50 Freiwillige meldeten sich, um aus einem der Bücher vorzulesen, die von den Nationalsozialisten verboten und – nicht nur in Berlin – verbrannt wurden. Mitgemacht haben Bürgermeister Norbert Ballhaus und seine Tochter Lena. Sie trugen aus Briefen Thomas Manns vor, mit denen er auf die Aberkennung seiner Doktorwürde reagierte. Der Bundestagsabgeordnete Siegmund Ehrmann hatte Hemingway im Gepäck und der Landtagsabgeordnete Ibrahim Yetim machte es ganz kurz: „Es ist leichter, ein Atom zu spalten als ein Vorurteil“, zitierte er Albert Einstein. Auch Karen Kliem, Redakteurin dieser Zeitung, konnte sich für die Aktion begeistern und las aus Heinrich Manns „Der Untertan“.

Der Abend wurde zu einem erschreckend lebendigen Zeugnis, was die Nazis alles als „zersetzend“ eingestuft hatten. Bücher, die glücklicherweise wieder in allen Regalen zu finden sind, wie etwa Kurt Tucholsky, Erich Maria Remarque, Erich Kästner, Berthold Brecht oder Carl Zuckmayer. Was wäre unsere Literatur ohne Werke dieser Autoren?

 
 

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