Bewährung nach Tod in der Zahnarztpraxis

Kamp-Lintfort/Rheinberg.. Zwei Jahre auf Bewährung für die Kölner Narkoseärztin, die nach Auffassung des Rheinberger Amtsgerichts den Tod eines dreijährigen Mädchens in einer Kamp-Lintforter Zahnarztpraxis zu verantworten hat. Ein Verfahren gegen die Zahnärztin, die eine Behandlung der Milchzähne und dabei auch eine Extraktion durchführte, war bereits eingestellt worden, weil sie keine Schuld trifft.

Die Tragödie ereignete sich am 16. Mai 2007. Die in Köln niedergelassene Anästhesistin sollte wegen dreier Zahnbehandlungen narkotisieren.. Nach den ersten beiden Narkosen ließ sie ihren Assistenten gehen, einen Medizinstudenten und Rettungssanitäter. Bei der Behandlung der Dreijährigen übertrug sie daher Aufgaben auf die Helferinnen, die diesen nicht gewachsen waren. Einer von mehreren verhängnisvollen Fehlern der Ärztin, die auf fast 30 Jahre Berufspraxis zurück schaut. Diese Fehler führten schließlich zum Herz- und Hirntod des Mädchens.

Fast 50 Minuten lang schilderte die Angeklagte minuziös das Geschehen. Wie sie mit der Mutter den Fragebogen und die folgende Anästhesie durchsprach, die Narkose der Dreijährigen vornahm. Während der Behandlung des Mädchens rutschte einmal der Beatmungstubus heraus, was sie jedoch gleich korrigierte. Als schließlich die Zahnärztin einen Zahn zog, kam es zur folgenschweren Komplikation. Kurz stieg die Herzfrequenz, sank dann dramatisch ab. Kurz darauf kam es zum Herzstillstand.

Während die Ärztin die Reanimation mit Herzmassage einleitete, sollte – mangels des fachkundigen Assistenten – die Zahnarzthelferin die Sauerstoffversorgung übernehmen. Diese kannte aber weder Geräte noch Handlungen. Die Anästhesistin musste die Frau einweisen, obwohl sie zeitgleich mit der Herzmassage beschäftigt war. Erst ein paar Minuten später ließ sie den Lintforter Notarzt in die Praxis holen, doch der konnte nicht mehr helfen.

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist der Tod durch Sauerstoffmangel eingetreten“, meinte der Staatsanwalt. „Durch fehlerhafte Behandlung.“ Die hatte zuvor ein Gutachter, Anästhesie-Chefarzt einer Duisburger Klink, in ungewohnter Klarheit deutlich bescheinigt. Ein zweiter Professor hatte eine vorherige Herzschädigung durch Scharlach, den die Ärztin einwand, ausgeschlossen. und gravierende Fehler der Anästhesistin aufgelistet.

Die Freiheitsstrafe von neun Monaten wurde auf Bewährung ausgesetzt.

 
 

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