Bettgeschichten und Spinnereien

Karen Kliem
Gelungene Kooperation: (von links) Museumsleiterin Jutta Lubkowski, Altenheimleiter Axel Loobes, Gleichstellungsbeauftragte Cornelia Hüsch. Foto: Volker Herold
Gelungene Kooperation: (von links) Museumsleiterin Jutta Lubkowski, Altenheimleiter Axel Loobes, Gleichstellungsbeauftragte Cornelia Hüsch. Foto: Volker Herold
Foto: Waz FotoPool
Wie es früher war: Ausstellung im Museum Neukirchen-Vluyn zusammen mit Bewohnern der Altenheimat.

Neukirchen-Vluyn. Knöterich. Für zehn Pfennig Knöterich. Den Jüngeren muss man das erklären. Die Älteren haben damit Büdchenbesitzern und Drogerieläden das Überleben gesichert. „Wie es früher war“ heißt die Ausstellung im Museum Neukirchen-Vluyn, die am kommenden Sonntag – dem internationalen Museumstag – eröffnet wird. Und Knöterich wird dabei selbstverständlich eine Rolle spielen. Denn zu dieser Ausstellung gehört auch, dass die „Drogerie Göschel“ im Museum wieder geöffnet sein wird und nostalgische Süßigkeiten verkaufen. „Wir haben extra die Waage noch mal geeicht“, sagt Museumsleiterin Jutta Lubkowski.

Wie es früher war, das wissen die alten Menschen doch am besten. Und sie erzählen auch gerne davon. So kam die aktuelle Ausstellung zustande. Bewohner der Altenheimat, zwei Schülerinnen des Berufskollegs für Gestaltung und Technik in Moers und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Neukirchen-Vluyn, Cornelia Hüsch, haben aus dem Museum eine Werkstatt gemacht.

Wie es früher war

Mit Hilfe des großen Fundus des Museums setzten die beiden Fotografinnen die älteren Herrschaften wirkungsvoll in Szene: im Bergwerksstollen, beim Kaffee eingießen, beim Weben und Spinnen, dabei, wie sie Bettwärmer unter die noch kühlen Daunen legen, zeitgemäß gekleidet in ein leinenes Nachthemd. Daraus sind großformatige Fotos entstanden, die ganz entspannte Menschen zeigen, die sich wohl fühlen in ihrer Situation. Und was die Senioren dann aus ihrer Erinnerung hervorkramten zu diesen Alltagssituationen, das zeichnete Cornelia Hüsch auf. Wie das eben früher war beim Waschen ohne Waschmaschine, beim Wohnen ohne Zentralheizung, beim Lernen mit Schiefertafel und Tintenfass, bei der Maloche unter Tage. All das ist neben den Bildern nachzulesen.

Wie viel Spaß beide Generationen bei diesem Projekt hatten, ist ebenfalls mit zahlreichen Fotos in der Ausstellung dokumentiert. Schließlich haben die beiden Fotografinnen nicht einfach so geknipst. Sondern ihre Models wurden profimäßig geschminkt und in den Kulissen des Museums ausgeleuchtet.

Bilder aus der neuen Kolonie

Museumsleiterin Jutta Lubkowski ergänzt das Material mit Dingen aus dem Museum. Auch die beteiligten Senioren haben das Eine oder Andere gefunden, etwa das selbstgewebte Leinentuch. Begleitet wird die Ausstellung von Farbstift-Aquarellbildern des Autodidakten Rainer Krajak. Er ist Mitglied der Moerser Palette und lässt zum Beispiel die Neukirchener inzwischen gar nicht mehr so „neue Kolonie“ aufleben.

Die Ausstellung wird lange zu sehen sein, denn nach dem Ende im Museum am 17. Juni wandert sie in die Altenheimat, ins Rathaus und ins Kultur-Café. Und ganz zum Schluss kommen die Fotos „nach Hause“: an die Wände der Altenheimat.

„Wie es früher war“: Eröffnung am 20. Mai, 11.15 Uhr, mit Programm, unter anderem wird gesponnen. Außerdem gibt es Waffeln und nostalgische Süßigkeiten. Zu sehen bis 17. Juni.