Bergwerk West in Kamp-Lintfort will mit Stolz schließen

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Kamp-Lintfort.. Silvester 2012 fährt die letzte Schicht im Bergwerk West an. Bis dahin will sich der Bergbau bei seinen Nachbarn in Kamp-Lintfort verabschieden und nicht nur einen bleibenden, sondern auch möglichst positiven Eindruck hinterlassen.

Rund 950 Bergleute kamen am Sonntagvormittag zur ersten Betriebsversammlung in diesem Jahr. „Das ist eine beachtliche Zahl. Unsere Belegschaft wird ja immer kleiner“, erklärt Werksleiter Karl-Heinz Stenmans. „Wir wollen produktiv und sicher zum Ziel“, war Stenmans Vorgabe an die Bergleute. 2011 gab es Höhen und Tiefen. Die Gesamtfördermenge wurde mit 2,7 Mio. Tonnen Kohle um acht Prozent verfehlt, dafür sei das Bergwerk West finanziell gut ausgekommen. Nun sind die letzten Vorleistungsmeter herzurichten. Ab Mai gilt es noch etwa 60 Kilometer offene Strecke abzubauen, die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr.

Peter Ermlich, Betriebsdirektor für Personal und Soziales, beschreibt die Verlegeplanung. „2.330 Kollegen sind aktuell im Bergwerk West beschäftigt. Ein großer Teil soll sozialverträglich abgebaut werden. 1.292 Mitarbeiter werden in den Jahren bis 2014 verlegt, 70 davon bereits in diesem Jahr.“ Wichtig sei eine sichere Perspektive.

Die meisten - mit 836 Kollegen - gehen zum Bergwerk Prosper-Haniel, 395 zu Auguste-Victoria und 56 zum RAG-Servicebereich Technik. Für die 38 Auszubildenden, die im Winter ihre Prüfung antreten, gibt es keine Garantie. Nicht einmal bei einer Besteherquote von 98 Prozent - so die Zahl aus dem Vorjahr.

Betriebsratsvorsitzender Peter Vogt beschreibt die Stimmung in der Belegschaft insgesamt als gut: „In 2011 war die Situation noch ungeklärt. Jetzt haben wir einen Tarifvertrag. Es wird keiner ins Bergfreie fallen.“

Bis spätestens 2018 will die RAG alle Mitarbeiter in qualifizierte Arbeit überführen. Gesprächspartner sind die Städte und Gemeinden, die Deutsche Bahn oder Evonik. Für Umzüge stehe mit der „Vivawest“ nach der Fusion der Wohnungsunternehmen der THS und der Evonik ein neuer Partner bereit.

Der große Abschied aus der Öffentlichkeit ist für Juni geplant. Dann findet über drei Tage der Festakt „100 Jahre Steinkohlebergbau in Kamp-Lintfort“ statt: einen Tag mit einem rauschenden Belegschaftsfest, am zweiten mit Festakt und Tag der offenen Tür, am dritten wird erstmals in und um Kamp-Lintfort der Grubenwehrausdauerlauf über zehn Kilometer ausgetragen. Auch eine Festschrift zum Bergbau am Niederrhein ist geplant. Hierzu wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bergbaumuseum eigens ein Historiker beauftragt.

 
 

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